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Sitten mit besonderem Interesse bei Gebirgsvölkern und Küstenbewohnern. Hier zeigt sich der Mensch am reinsten in seiner ursprünglichen Eigenthümlichkeit. An der Küste wie im Gebirge (die größeren Städte gelten mehr oder weniger für Ausnahmen) ist der Mensch vorzugsweise auf den Umgang mit der Natur und Seinesgleichen hingewiesen; abgeschlossen vom abglättenden Weltverkehr baut er seinen Ideenkreis kernfest aus und überliefert ihn in starren Formen Kindern und Kindeskindern. Mit dem väterlichen Geschäft erbt die Sitte fort, und wie im Haus, ruht im Stamm und Volk Gesetz und Recht auf dem bewährten Boden von Erfahrung und Gewohnheit. Daher beim Aelpner wie beim Küstenmann das Festhalten am Hergebrachten, Alten und die Scheu, die mit jeder Neuerung oft auch den Fortschritt von sich weist. Dieser patriarchalische Zug der Gebirgs- und Küstenbewohner dehnt seinen Einfluß auch auf die staatlichen und Gemeinde-Einrichtungen aus; es spricht sich dies aus in dem Hange zu möglichst enger und bestimmter Begrenzung der Stämme und Gemeinschaften, Familien und Zünfte. Jede Gemeinschaft hält unerschütterlich auf dem geringsten Rechte, und bitterer Groll und Hader um Kleinigkeiten trennt oft die nächsten Nachbarn.

Also geartet erscheinen uns die Friesen. Sie sind die rüstigsten Männer am ganzen deutschen Meer. Dieser germanische Volksstamm, dessen Macht und Tapferkeit schon die Römer kennen lernten, wohnte ursprünglich zwischen den Rheinmündungen, der Nordsee und der Ems. Durch Drusus wurde er zwar den Römern zinspflichtig, aber schon im Jahre 28 n. Chr. reizten die Bedrückungen, welche einzelne römische Befehlshaber erregten, wieder zum Aufstand: sie gewannen ihre Freiheit zurück und wußten ihre Unabhängigkeit, den Römern gegenüber, in mannhaften, beharrlichen Kämpfen zu behaupten. In den Kriegen der übrigen teutonischen Stämme mit den Römern wird der Name der Friesen nur selten genannt. Ihre Kämpfe fochten sie aus auf eigene Faust und kümmerten sich nicht um die der Nachbarn, der Chauken, Sachsen und Franken. Ohne eine Ausdehnung ihrer Herrschaft zu beabsichtigen, führten indeß doch spätere Fehden mit angrenzenden Stämmen zu größerer Ausbreitung und Niederlassung. Alles Land zwischen Ems und Weser besetzten die Ostfriesen, im Gegensatz zu den die alten Sitze behauptenden Westfriesen, und in den westlichen Küstenstrichen Schleswigs, von der Eider bis Tondern und auf den davor liegenden Inseln treten die Nord- oder Strandfriesen auf. Sowohl Chauken, als Angeln oder Sachsen, die ältern Bewohner dieser Küstenstriche, mischten sich willig mit dem stammverwandten Volk, und mit dem Namen desselben verschwand mit der Zeit ihr eigener.

Stolz auf ihre Unabhängigkeit und mißtrauisch gegen Jeden, von dem sie für ihre Freiheit glaubten fürchten zu müssen, trugen die Friesen den bittersten Haß gegen die Franken und Alles, was ihnen als feindlich bezeichnet wurde. Diesen Haß theilten sie mit den Sachsen. „In stetem Kampfe mit gefährlichen Feinden und dem Meere, welchem sie einen großen Theil des Bodens abgerungen, haben die Friesen in ihrem Marschlande, wie die