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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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wagerechten, in Vierecke eingetheilten Boden; aber wackere, umsichtige, bis zum Eigensinn beharrliche, freiheitsliebende Männer erzeugt und ernährt er. Reichthum ist in allen Marschgegenden zu Hause, wenn auch hin und wieder durch die Ungunst der letzten Zeiten in Verfall; in einigen herrscht wahrer Luxus, wie kaum irgendwo bei Landleuten, und neben der aus aller Zeit stammenden großen Mannichfaltigkeit von bunten Kleidertrachten haben sich die seltsamen Gebräuche, Sitten und Einrichtungen der Vorfahren erhalten, ein treues Bild altgermanischen Volkslebens.“ – Des Wohlstandes Hauptquellen sind die Landwirthschaft (auf 5000 freien Bauerhöfen sind Lehngeld, Erbunterthänigkeit, Hut- und Triftgerechtigkeit, Frohnden, Zehnten etc. unbekannte Lasten!), Torfgräbern (sie ernährt ⅒ der Einwohner), Fischerei, etwas Kunstfleiß und lebhafter Handel, namentlich mit Erzeugnissen des Ackerbaues und der Viehzucht, nach Amsterdam, Bremen, Hamburg und England durch die friesischen Haupthäfen: Emden, Leer, Norden und Karolinensiehl.
Nachdem der Bund der sieben Seelande zerfallen und die Herrlichkeit des freien „Upstalsbooms“ untergegangen waren, setzten auch in Ostfriesland sich einzelne Häuptlinge an die Spitze größerer oder kleinerer Landestheile und befehdeten sich unter einander. Endlich wählten sie sich ein gemeinschaftliches Oberhaupt, dem man auf einem allgemeinen Landtage 1453 die Würde eines Regenten und Oberherrn von Ostfriesland zugestand, jedoch mit ausdrücklicher Sicherstellung aller dem Lande und den Einzelnen eigenen Rechte und Freiheiten. Ulrich Cyrksena wurde der Mächtigste derselben; er unterwarf sich die übrigen ostfriesischen Herren, trug dem Kaiser Friedrich III. 1454 Ostfriesiand als Lehn an und wurde dafür in den Reichsgrafenstand erhoben. Der bedeutendste unter seinen Nachkommen war Edzard der Große. Ihm verdankt das Volk, außer der Vergrößerung des Gebiets, die Zusammenstellung des ostfriesischen Landrechts. Unter ihm gewann auch die Reformation dort festen Boden. Unter Edzard III. litt das Land viel vom niederländischen Bürgerkrieg, dessen Parteien es oft überschwemmten. Kurze Zeit nachher erklärten Emden und andere Städte sich für den reformirten Glauben und zwangen ihren widerspenstigen Grafen im Vergleich zu Delfziehl (1595) zu mancherlei Zugeständnissen in kirchlicher und bürgerlicher Hinsicht. In beiden Theilen lebte jedoch die Mißstimmung fort und schürte die Streitigkeiten zwischen den Grafen und den Ständen auch während des dreißigjährigen Krieges, und diese arbeiteten mit Einfällen fremder Völker, Pest, Sturmfluthen, strengen Wintern, Mißwachs und Theuerung gemeinsam am Ruin des Landes. Dennoch wußte sich das Volk auch aus diesen schweren Zeiten zwei theure Kleinode zu retten: die ostfriesischen Konkordate, vom 2. Juni bis 28. September 1599 zu Emden von dem allgemeinen Landtag mit den Grafen abgeschlossen, und der sogenannte osterhusische Vergleich von 1611 gaben den Ostfriesen das Fundamentalgesetz ihrer Verfassung, das bis zu den neuesten Zeiten und sogar noch unter der preußischen Regierung in voller Kraft geblieben war. An Preußen kam Ostfriesland kraft der 1715 vom Kaiser ihm ausgestellten Belehnungsurkunde
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 162. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/170&oldid=- (Version vom 7.4.2025)