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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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(eine 1691 beschlossene Erbverbrüderung zwischen den Cyrksena’s und Braunschweig-Lüneburg erhielt die kaiserliche Bestätigung nicht) nach dem kinderlosen Tode Karl Edzards, mit welchem die männliche Linie des cyrksena’schen Hauses nach dreihundertjähriger Regierung ausstarb, im Jahre 1744. Die preußische Regierung wußte das Mißtrauen, mit welchem sie im Lande empfangen wurde, durch Erhaltung und Achtung der alten Landesakkorde und der ständischen Verfassung, so wie durch durchgreifende und zweckmäßige Restauration des auf diesem alten Fundamente ruhenden Staatsgebäudes, in Vertrauen umzuwandeln und verhalf dem durch die unaufhörlichen inneren Zwiste und äußeren Bedrückungen gesunkenen Wohlstand zu neuer Blüthe. – Desto härter traf die Einverleibung des Landes erst in das Königreich Holland, dann in das französische Kaiserreich das Volk der Ostfriesen, das nun seine Rechte und Freiheiten zertrümmert und mit Füßen getreten sah. Der Befreiungskrieg machte zwar auch sie frei von der französischen Herrschaft; die volksverrätherische Diplomatie gab sie jedoch am 15. December 1815 an England Preis. Ostfriesland ward eine hannöverische Landdrostei.
So ist des großen friesischen Volksstammes Freiheit und Unabhängigkeit verloren gegangen. An der langen Meeresküste und auf den Inseln zerstreut sind die freien und edelen Friesen, „welche keinen Herrn über sich und keinen Knecht unter sich duldeten und in ächt germanischer Art nur von der Volksgemeinde Recht und Gesetz nahmen“, nach und nach von Adel und Fürsten überwältigt und ihrer staatlichen Selbstständigkeit beraubt worden. Sie theilten das gemeine deutsche Loos. Früher hatten sie, sich selbst genug, das große Ganze von sich gestoßen. Nachher verließ sie das große Ganze und zuletzt gingen sie unter in dem allgemeinen Schiffbruch der deutschen Freiheit und Unabhängigkeit. Und als sie wieder erobert war, 1813, mit Strömen Bluts; da wurden die Friesen von dem Wiener Fürstenkongreß betrogen, wie wir Alle betrogen worden sind: – sie wurden verschachert und verhandelt an fremde Herren, und der schnöde Akt der gesalbten Hebräer als legitim gestempelt.
Emden, Ostfrieslands bedeutendste Seestadt, liegt am wohlgeschützten Dollart und unweit der Emsmündung. Es zählt gegenwärtig gegen 13,000 Einwohner. Die Stadt zeigt allenthalben holländischen Schnitt und hat, die sieben Kirchen und das nach dem Muster des antwerpener gebaute Rathhaus ausgenommen, wenig Sehenswerthes. Alterthümliches und Modernes behauptet neben einander seinen Platz und läßt den Beschauer zu keinem Gesammteindruck des Bildes kommen. Ein Zeugniß für die einstige große Blüthe und den noch nicht gesunkenen Wohlstand der Stadt geben die vielen, reich ausgestatteten und vortrefflich geleiteten Armen- und sonstige Unterstützungsanstalten. Emden, das 1595 freie Reichsstadt unter Hollands Schutz wurde, steht als ein Unicum in der Geschichte des dreißigjährigen Kriegs da: während alle Länder und selbst Ostfriesland unter seiner blutigen Geißel verödeten, gedieh diese für damalige Zeit feste Stadt zu Macht und Reichthum und einer Bevölkerung von 22,000 Einwohnern (die angesehenen und reichen Familien des Flachlandes suchten hier eine Schutzstätte),
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/171&oldid=- (Version vom 7.4.2025)