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und es sank von seiner Höhe herab, als nach dem westphälischen Frieden die zerschlagenen Völker im übrigen Deutschland wieder zu athmen und die Glieder zu regen begannen. Die preußische Regierung suchte Emden durch Errichtung eines Freihafens und durch Handelsverbindungen mit Indien und China zu heben; kräftiges Leben kam aber erst durch den siebenjährigen, den englisch-nordamerikanischen und den französischen Revolutions-Krieg in Ostfrieslands Handel und Schifffahrt. Damals betrug die Zahl der auslaufenden großen Seeschiffe über 1000. Diese ganze Herrlichkeit vernichtete England während seines Zwistes mit Preußen, 1806, mit unvergleichlichem Eifer. In kurzer Zeit verlor Emden durch englische Kaper für 3 Millionen Gulden Eigenthum und fast sämmtliche größere Seeschiffe. Während der holländischen Herrschaft (1806–1810) war die einst so stolze Stadt so tief gesunken, daß sie nur noch in der Einträglichkeit des Schleichhandels einen Rettungsanker sah und benutzte. Aber auch diese Quelle floß, nachdem Napoleon die Küstensperre mehr und mehr vervollkommnete, spärlicher und versiegte endlich ganz. Nach den napoleonischen Kriegen strebte zwar allenthalben der Verkehr seine alten Wege wieder einzuschlagen und neue aufzufinden; für Emden war jedoch die gute Zeit vorbei. Andere friesische Häfen erhoben sich; und neben den zwei großen Handelsplätzen an der Elbe und Weser konnte es niemals eine Bedeutung für den Welthandel wieder erlangen. Hamburg und Bremen standen neben Emden wie Riesen neben einem Zwerg.

Im Jahre 1570 besaß Emden 600 Seeschiffe; auch in der Periode der preußischen Herrschaft war die Handelsflotte noch stark; jetzt ist die Zahl der registrirten Seeschiffe auf 84 gesunken.

Für Emden kann wieder eine große Stunde nur dann schlagen, wenn der deutsche Flottentraum eine Wahrheit wird. Emdens Hafen ist der vortrefflichste an der ganzen Nordsee und bietet alle Erfordernisse zu einem Kriegshafen, der den von Portsmouth an Großartigkeit nicht nachstehen würde. Napoleons Blick hatte hier die Stelle erkannt, auf welcher, England gegenüber, ein großer Seehandelsort und ein unbezwingbarer Waffenplatz erstehen sollte: der russische Winter von 1812, dem ein so kurzer Völkerfrühling folgen sollte, vernichtete den Plan mit seinem Entwerfer. Wäre Deutschlands Einheitstraum in jener Zeit Wirklichkeit geworden, – wäre damals ein deutsches großes Reich emporgewachsen – dann würde auch für Emden manche gute Frucht gereift seyn; aber die junge Saat, die unser Herzblut düngte, zerschlug der Hagel europäischer Despotentücke. Ob der neue Völkerfrühling den alten Traum in’s Leben ruft? Ja, wenn das souveräne Volk es will – und in der deutschen Union mag dann auch der „edle Friese“ die Tage wieder sehen, wo kein deutscher Stamm freier war, denn er, und keiner glücklicher.