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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Zeiten liegen, wenn der Mensch den Teufel in sich selber bezwungen hat und die Tugend allerwärts als Nothwendigkeit des Daseyns gilt. Diese Zeit liegt jedoch unter künftigen Aeonen begraben, und bis dahin wird uns kein anderer Baum grünen und Früchte tragen, als den wir gepflanzt haben unter dem Schweiße unseres Angesichts und gepflegt mit harter Arbeit. – Auch die Republik ist kein anderer. –
Trotz dem wird er gepflanzt werden. Es ist nicht auszuweichen. Der alte Baum der Monarchie ist innerlich morsch und faul, seine Wurzel ist abgestorben, er ist der Art verfallen und an seinen Platz muß eine junge Pflanze. Alles irdische Leben geht im Kreislauf. Auch das deutsche Volksleben hat seinen Turnus. Aufgegangen aus der Demokratie, schossend und wachsend in der Republik, blühend und Früchte ansetzend im Reich, reifend, welkend und dorrend in der Fürstenherrschaft, hat nun die Revolution den Saamen wieder ausgeschüttet auf die Erde, er ist zurückgekehrt zu seinem Ursprung, und aus dem Boden der Volkshoheit geht er von Neuem als Republik auf. Das ist der Kreislauf; kein Gott kann ihn ändern.
Die Tage unserer Gegenwart sind die Tage des Keimens. Darum treibt ein innerer Instinkt die Nation jetzt nach Allem hin, wodurch sie den neuen Lebenskreis, der ihr eröffnet ist, erfüllen kann. Sie strebt und ringt aus allen ihren Kräften, sich von Zuständen und Verhältnissen loszumachen, bei denen, wie sie fühlt, fernerhin kein Verlaß mehr ist; nicht Sicherheit nach Außen, noch Frieden nach Innen; nicht Würde, noch Hoffnung; nicht Glück, noch Liebe. Trennung von der Monarchie – (die in den Augen Vieler schon ein Kadaver ist) – ist unvermeidlich, und die Nation wird dies Ziel erreichen – je nachdem man sie gewähren läßt, oder hindern wird – friedlich oder kämpfend.
Bis dorthin bleibt Alles Flickwerk und jede Einrichtung ein Provisorium. Wir können nicht eher neu bauen an dem Platz des Alten, als bis dieser gereinigt ist von Schutt und Trümmern. Und dann muß das Erste seyn nieder zu arbeiten und aufzusäubern bis zum untersten gesellschaftlichen Fundament – zum Urvertrage, der allem vernünftigen Begriff vom Staate zum Grunde liegt. In diesem Vertrage hat Jeder seine nur durch das Maß seiner Kräfte beschränkte Freiheit willig an die allgemeine Freiheit hingegeben, Jeder hat seine Person, sein Leben, seine Rechte und sein Eigenthum in die Genossenschaft, den Staat, eingelegt, und vom Staate hat er sie gewährt und gesichert zurückerhalten. Indem so der Einzelne sich an’s Ganze verlor, hat er sich alsobald wiedergefunden als gleichberechtigtes Element dieses Ganzen; indem er sich der Gesammtheit unterwarf, hat er seinen Antheil an der Herrschaft über die Gesammtheit gewonnen. – Nur in der Allheit ist der Einzelne aufgegangen, nicht aber in einer Klasse, oder in einer Familie, oder in einer einzigen Persönlichkeit. Nach dem gesellschaftlichen Urvertrage bleiben Alle einander gleich, wie sie es vorher gewesen sind, und Keiner ist, der auf Grund des Vertrags ein Vorrecht für sich in Anspruch nehmen könnte. Darum darf in einem, aus dem
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 168. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/176&oldid=- (Version vom 8.4.2025)