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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Die Pfalzgrafen erhielten, wie die früheren Kammerboten, die Aufsicht über die Krongüter, die Gerichtsbarkeit über Diejenigen, welche vom herzoglichen Gerichtszwange befreit waren, und in peinlichen Fällen das Schultheißenamt neben dem Herzoge. Die bekanntesten dieser Pfalzen[1] waren in den Provinzen sächsischen Rechts Merseburg, Goslar, Grona, Allstädt und Mühlhausen, und in den Provinzen fränkischen Rechts Aachen, Ingelheim, Trebur, Speyer und Gelnhausen. Diese waren der Lieblingsaufenthalt der Hohenstaufen.
Noch kräftiger verfolgte Heinrich sein Ziel der Niederdrückung der Feudaldespotie durch die Wehrhaftmachung des Volks und die Gründung eines freien Bürgerstandes. Sein Nachfolger Otto pflanzte auf diese Errungenschaften die äußere Glorie kaiserlicher Majestät durch die zum ersten Male ausgelegte Pracht der Krönung und den Hofdienst der Erzämter. Diesem Krönungsglanze folgte eine Regierung voll Blut und Stürme; Otto aber blieb Sieger gegen die aufrührerischen Großen wie gegen die äußeren Feinde des Reichs und brachte endlich auch die römische Kaiserkrone wieder auf das deutsche Königshaupt.
Durch die Erwerbung Italiens und der Kaiserkrone hatte Deutschland ein neues und weites Thor zu künftigen Kriegen geöffnet. Zu den Großen des Reichs trat der Papst als zweiter Feind der kaiserlichen Macht. Zugleich erhielt die Pfaffenmacht eine Stütze jenseits der Alpen und das Volk eine Stütze an der Pfaffenmacht gegen die Bedrückungen der weltlichen Herren. Die theuersten Opfer kostete aber Deutschland der durch jene Erwerbung heraufbeschworene Traum der Wiederherstellung der Macht und Herrlichkeit des alten Roms und der Errichtung einer römisch-deutschen Erbmonarchie. Die sächsischen Kaiser waren diesem Ziele dadurch näher gekommen, daß sie die Herzogthümer bald theilten, bald vereinigten und, so viel als möglich, sie an Mitglieder der königlichen Familie vergaben. Die fränkischen oder salischen Kaiser verfolgten denselben Plan; doch der Umschwung der Dinge unter Heinrich IV. führte ein ganz anderes Resultat herbei. Heinrich IV. sah sich genöthigt, Herzogthümer wieder erblich zu verleihen; an die Stelle der Pfalzgrafen traten Burggrafen und nahmen, wie die Markgrafen und Grafen, allmählig eine selbstständige fürstliche Stellung ein: auf den Trümmern der Monarchie erstand eine vielköpfige Aristokratie, neben welcher der freie Bürgerstand der Reichsstädte sich festsetzte. In dieser neuen Entwickelung schritt Deutschland auch unter den Hohenstaufen vorwärts, über deren Stellung zum deutschen Volke wir uns schon früher ausgesprochen haben. Unter ihnen wurde die Erblichkeit der Herzogthümer gesetzlich anerkannt; die Volksherzogthümer gehen, zersplittert, an einzelne Erbfürsten über und die Völkerstämme verlieren
- ↑ Das Wort Pfalz, altdeutsch Pfalenz oder Palenz, stammt vom lateinischen Palatium, Palast. Die deutschen Wahlkaiser hatten nämlich keinen festen Sitz, sondern zogen im Reiche umher und bewohnten die in den verschiedenen Städten für sie und von ihnen errichteten Kaiserpaläste. Daher nannten wir sie oben Wandelkaiser.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 171. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/179&oldid=- (Version vom 8.4.2025)