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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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ihre selbstständige Stellung und ihre Namen in der Geschichte; die Bischöfe treten als reichsunmittelbare Herren auf und üben in ihren Sprengeln die herzogliche Gewalt aus. Dazu kommen endlich noch die Ritterschaften, die freien Städte und die geistlichen Verbindungen in ihrer höchsten Blüthe.
So war denn nach dreihundertjährigem Kampf die Kaisermacht bis auf einige armselige Trümmer zusammengesunken. Zwar hieß der Kaiser noch der erste Fürst der Christenheit; der Nimbus der Majestät war jedoch zerrissen und nur eine großartige Persönlichkeit des Kronenträgers konnte ihn noch mühsam zusammenhalten. Eine solche war Rudolf von Habsburg. Seine energischen Schritte zur Aufrechthaltung des Landfriedens erwarben ihm den Dank des Volks; sein rastloser Eifer für seine Nachkommen erregte Mißstimmung unter den Fürsten, aber gleichwohl nahmen seine Nachfolger diesen Theil seiner Regentengeschäfte sich allein zum Muster: die Sorge für die Kräftigung des eigenen Hauses überwiegt jede andere, und ihr gegenüber tritt die Sorge der Wahlfürsten, stets Männer von geringer Hausmacht auf den Thron zu bringen, immer deutlicher hervor. Luxemburg, Oesterreich, Bayern liefern Könige dieser Art, und weder die Bestimmungen des Kurfürstenvereins zu Rense, noch die goldene Bulle vermochten das Reich von seinem Krebsschaden zu heilen. Zu den Werken der Eitelkeit und Selbstsucht, mit welchen Karl IV. seine Regierungszeit ausfüllte, kamen Verluste an den Reichsgrenzen und unaufhörliche innere Unruhen, denen auch der unfähige König Wenzel kein Ziel setzen konnte. Ruprecht sah seine Heeresmacht in Italien untergehen und Sigismund zündete an dem Scheiterhaufen zu Konstanz die Flamme des Hussitenkriegs an. Unter ihm erhielt der Burggraf Friedrich von Nürnberg das Kurfürstenthum Brandenburg und der Markgraf Friedrich von Meißen das Kurfürstenthum Sachsen; beide Staaten waren bestimmt, bei der Umgestaltung der Verhältnisse Deutschlands durch die Reformation die wichtigste Rolle zu spielen. Gesetz und Herkommen scheint endlich die Furcht der Kurfürsten vor einer starken kaiserlichen Hausmacht beseitigt zu haben, denn von Albrecht II. an bleiben sie bei allen Wahlen dem Hause Oesterreich treu, obgleich schon der nächste König, Friedrich III., nur an die Vermehrung seiner Hausmacht dachte. Noch wichtigere Rechte wußte der römische Stuhl durch die aschaffenburger Konkordate dem schwachen Reichsoberhaupt zu entreißen: die Besetzung der meisten Kirchenstellen und Pfründen und mit ihr eine unerschöpfliche Quelle reicher Einnahmen kam wieder in dessen Gewalt. Einen tröstlichern Blick gewährt nur das städtische, wissenschaftliche und Kunstleben; das Handwerk hatte seinen goldenen Boden; Wohlstand und Bildung waren der gewerblichen Thätigkeit und dem Handelsbetrieb gefolgt, das freie wissenschaftliche Leben äußerte bereits seine Einflüsse aus den Volksgeist.
Aber während die deutsche Nation durch humane Kultur erstarkte, wandte sich die politische Gestaltung Deutschlands einer immer größeren Beschränkung der centralen Gewalt zu. Hier hatte die Hierarchie selbst dem Siege der Reformation vorgearbeitet; sie hätte den Einfluß des Reichs auf das Ausland und sich selbst geschwächt,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 172. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/180&oldid=- (Version vom 8.4.2025)