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aus den Herzen der einen Hälfte des deutschen Volks ist er gerissen und ein großer Theil der anderen, der katholischen, schwört eigenen Göttern. – Der westphälische Frieden drückte das Siegel auf diese Jammerzustände: er stellte Deutschlands Grenzen bloß, öffnete der Einmischung fremder Mächte in innere Staatsangelegenheiten Thür und Thor und sanktionirte die Auflösung der Reichseinheit. Und von nun an entwickelt sich die Herrschaft des französischen Wesens im Kabinette, im Salon, endlich in Schule und Haus, die Tage von Deutschlands tiefster Erniedrigung brechen an, die Nachbarn treiben mit dem faulen Reichskörper Spaß und Kurzweil. Umsonst sucht Joseph II. ihn noch einmal wach zu rütteln; Friedrich II. von Preußen hatte ihm den tödtlichen Fußtritt gegeben; die französische Revolution und der Verrath seiner Glieder gaben ihm den Gnadenstoß. Ein halbes Jahrtausend hat er hingesiecht am unheilbaren Krebs der erblichen Dynastenherrschaft. Friede sey mit ihm!

Ja, Friede mit „Kaiser und Reich!“ – Wer so lebte und so starb, kann und darf nicht wieder erstehen. Wir verkennen nicht das Gute, welches aus jenen Zeiten, wo Deutschland 370 Reichsstände zählte, in einzelnen Gebietstheilen noch segensreich wirkt; wir wissen, daß Wissenschaft, Kunst, Volksbildung fast so viele Schutzstätten hatten, als es große und kleine Höfe und Herrschaften gab, und daß manches Werk der Wohlthätigkeit jenen Zeiten seinen Ursprung verdankt.

Gedenken wir daran mir Dankbarkeit! Aber ebensowenig sey vergessen, wie unsäglich viel Last und Noth, Unrecht und Unehre aus jenen Zeiten noch auf dem deutschen Volke drückt! Werfen wir dieß dem alten todten „Kaiser und Reiche“ nach, lassen wir uns nicht täuschen von unsern Germanisten, deutschthümelnden Romantikern, Verehrern der Vergangenheit und Rittern der mittelalterlichen Zustände, die um die Kaiserhäupter einen neuen Nimbus fügen und das freiheitsstolze Volk der Gegenwart wieder gut kaiserlich machen möchten. Es soll ihnen nichts helfen. Was noch von Kaiser und Reich am Vaterlande hängt und seiner freien Entwickelung mit verrosteten Hemmketten entgegentritt, das wird abgeworfen und unsere zerrissenen Fürstenmäntel – bald genug werden auch sie verschwinden von der freien Schulter der Germania, die keiner gekrönten Schutzleute bedarf, um Licht und Recht ihrem Volke zu wahren und das Zepter der Freiheit und Ehre zu halten in starker und fleckenloser Hand!