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Um Balkone und Balustraden schlingen sich Luftpflanzen (Tillandsia), welche aus der Atmosphäre die Nahrung ziehen und nie des Begießens bedürfen. Mehre schönblühende Arten derselben sind hier heimisch.

Buenos-Ayres, obschon unterm 34. Breitengrade liegend, hat doch kein wärmeres Klima als die Gegend des Mittelrheins, und der Winter macht den Gebrauch des Kamins nöthig. Das Feuermaterial ist eine Hauptausgabe an einem Ort, wo es weit und breit keine Wälder gibt und kein anderer Brennstoff zur Anwendung kommen kann, als englische und nordamerikanische Steinkohlen, oder das Holz von Aprikosenbäumen, die hier nicht der Früchte, sondern des Holzes wegen plantagenweise gezogen und wie unsere Weiden alle drei bis vier Jahre geköpft werden. Dahingegen sind andere Lebensbedürfnisse und alle Kolonialwaaren hier um so wohlfeiler; Fleisch ist sogar noch geringer im Preise als das Brod. Gegenstände des Luxus vertheuert ein hoher Eingangszoll. Im Ganzen ist das materielle Leben billiger, als in irgend einer andern Großstadt der neuen Welt, und auch in geselliger und geistiger Beziehung können wenige Städte mehr bieten. Der Ton der bessern Gesellschaft ist leicht, ungezwungen und läßt von der altspanischen Grandezza nur die ihr innewohnende Anmuth zurück. Jede angesehene Familie hält offenes Haus und empfängt zu ihren Abendgesellschaften die von Bekannten des Hauses eingeführten anständigen Fremden sehr zuvorkommend. Politik, Musik und Tanz sind die Hauptquellen der hiesigen Unterhaltung und des Vergnügens. Musik wird von aller Welt mit Leidenschaft getrieben; das Piano fehlt in keiner anständigen Wohnung. Das Theater ist gut und wird häufig besucht. Stierkämpfe, sonst häufig, sind obsolet geworden. Die altspanischen Sitten vergehen immer mehr, je häufiger die Niederlassungen von Briten, Nordamerikanern, Deutschen und Franzosen werden und je mehr die Fremden durch ihren Reichthum, ihre Intelligenz und ihre Zahl an gesellschaftlichem Einfluß gewinnen. Einen großen Uebelstand hat Buenos-Ayres zu beklagen: – den Mangel an gutem Trinkwasser. Die meisten Einwohner sind auf ihre Cisternen angewiesen. Andere lassen sich das Wasser aus dem Plata zuführen, was eine bedeutende Ausgabe verursacht. Brunnen fehlen ganz, und die vielfachen Versuche zur Auffindung artesischer Quellen sind fehlgeschlagen.

Wohlstand ist in Buenos-Ayres der sichere Lohn der Arbeitsamkeit; denn Geschick und Fleiß werden hier so theuer bezahlt, als in den nordamerikanischen Städten. Dennoch sind Armuth und Bettelei nicht selten, beide Kinder der spanischen Faulheit. Der thätige, sparsame Ausländer hingegen kommt nirgends in der Welt schneller empor und ein großer Theil der hiesigen reichen Leute gründeten ihr Glück unter den bescheidensten Verhältnissen. – Die Hauptnahrungsquelle ist der Handel, der schon jetzt über 500 große Seeschiffe beschäftigt und jährlich über 12 Millionen Dollars umsetzt. Die Importen umfassen alle Fabrikerzeugnisse Europa’s, denn Fabrikthätigkeit kennt man hier nicht; sie werden bezahlt mit den Ausfuhrartikeln, deren Zahl eben so gering ist, als ihr Betrag groß. Die unermeßlichen Ebenen des Landes geben Millionen von Pferden und Rindern das ganze