Seite:Meyers Universum 12. Band 1847.djvu/187

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Jahr hindurch die reichlichste Weide, und jedes Landgut hat mehr oder minder viele Quadratmeilen solchen Weidelandes aufzuweisen, auf dem die Heerden ohne Pflege leben und sich vermehren, und wovon man jährlich so viel Thiere einfängt, als man eben Häute, Talg etc. zu verkaufen gedenkt, oder der Wirthschaftsplan es gestattet. Das Fleisch der Rinder wird auf vielen Gütern nur in so weit benutzt, als es die Konsumtion erheischt; das übrige wird Beute der Geier und Raubthiere. Selbst in Buenos-Ayres kostet das beste Rindfleisch nur wenige Pfennige. Einen Ochsen kauft man zu 4–5 Dollars, ein Pferd zu 3–6 Dollars. – Alle Obstarten, Gemüse und Wein werden in den Gärten angebaut und gedeihen vortrefflich; aber weiter erstreckt sich ihre Kultur nicht, und selbst das Mehl fahren die Amerikaner herbei, da die Gutsbesitzer bei dem reichen Ertrage ihrer Viehzucht es nicht für der Mühe werth halten, auch Ackerbau zu treiben. Sogar die Milch der Kühe wird noch wenig genützt, obschon die Platastaaten die ganze Welt mit Butter und Käse versorgen könnten. – Auf manchem Gute weiden 50–100,000 Stück Rindvieh, und manches verkauft jährlich 10,000 Stück Häute. Eine Nebennutzung der Viehzucht sind die Hörner, von denen jährlich nahe an 1½ Millionen Stück exportirt werden. In neuerer Zeit haben die Nordamerikaner angefangen, große Salzereien von Rindfleisch zu etabliren, von denen bereits 2–300,000 Centner jährlich ausgeführt werden: ein Geschäft, das eine neue große Quelle des Reichthums für das Land öffnet.

Buenos-Ayres, das 1809 und in den folgenden Jahren seine Befreiung vom Joch des spanischen Mutterlandes erkämpfte, würde seine Größe noch viel schneller entwickelt haben, wäre es nicht so häufig ein Schauplatz bürgerlicher Unruhen, und könnte es zu einem ruhigen Genuß der Freiheit kommen. Bisher hat es sich fast stets der Diktatur der Faktionen unterwerfen müssen und auch sein heutiger Diktator Rosas ist ein Despot. Dem Volke fehlt es an Vorbildung zur Freiheit und an republikanischer Tugend, und wo beides mangelt, da mögen die Nationen die Throne zerschlagen, aber der Tyrannei werden sie nicht entgehen. So wird auch uns, nachdem wir das Joch zerbrochen und uns über die Fürsten erhoben haben mit dem Vollgefühl unserer Kraft, – die beste Frucht der Revolution ein Geheimniß bleiben, wenn wir nicht in unserm Herzen und in unsern, Kopfe, im Hause und in der Schule revolutioniren und nicht die strengen Grundsätze der Republik in unserer Lebensweise, in unsern Sitten, Gewohnheiten und Vorstellungen zur dauernden Geltung bringen. Könnten wir, wie Franklin und seine Genossen es thaten, als ächte Republikaner die Republik machen – wie wären wir glücklich! –