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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Der erste Blick läßt erkennen, daß dem Meister die Lösung seiner Aufgabe glückte. Es ist ihm gelungen, für die feinen und reichen korinthischen Formen überall jene Kombination zu finden, welche den wohlgefälligen Eindruck hervorbringt, der nur aus der vollkommenen Harmonie entspringt. Massenhaft und mächtig steigt der Unterbau empor, auf dem der breite Oberbau mit seinem schlanken, zierlichen Verhältniß gleichsam zu schweben scheint. Zu ihm führen zwei und zwanzig Stufen in der ganzen Breite der Vorhalle – angemessen dem Bedürfniß der Menschenmassen, welche zu den Zeiten der Ausstellungen sich auf und ab bewegen. Die Umfassungsmauern des Gebäudes sind ohne Fenster; Oberlicht, im Dache angebracht, erhellt die Räume. Die prachtvolle Vorhalle wird nach außen von 8 korinthischen, kannelirten, 42 Fuß hohen und 4½ Fuß dicken Säulen getragen und schirmt den Zugang zu dem Innern, welchen prachtvolle, eherne Flügelthüren verschließen. Der Giebel von 14 Fuß Höhe und 95 Fuß Breite schließt an beiden Ecken mit den bayerischen Löwen und in der Höhe mit einem Phönix ab, dem Sinnbilde ewiger Verjüngung; denn Verjüngung bedingt Leben und Fortschritt in der Kunst wie in den Gewerben. Den innern Giebelraum schmückte Schwanthalers Meißel mit Gruppen von Marmorfiguren aus, welche auf die Bestimmung des Gebäudes Bezug haben.
Durch die geöffneten Pforten von Erz tritt man aus der Vorhalle in das Vestibül. Es ist ohne Schmuck. Rechts und links führen Treppen in die obern Räume des Mittelbaus, welche mit zu den Ausstellungen dienen. Ein Thor leitet aus dem Vestibül in den Hauptsaal. – Nicht die Pracht der Verzierung blendet das Auge; denn dekorirender Flitter wäre hier übel angebracht: es erfreut edle Einfachheit und das Ebenmaß der Verhältnisse. An den Hauptsaal reihen sich zu beiden Seiten die übrigen Räume.
Die Gesammtlänge des Gebäudes ist 224 Fuß bei einer Tiefe von 74 Fuß. Für eigentliche Kunstausstellungen bietet es hinlänglichen Platz dar; für allgemeine Gewerbeausstellungen aber ist es wohl zu beschränkt. Es soll in der Absicht des Königs liegen, für solche einen zweiten, noch viel größern Bau auszuführen, dessen Räume weit genug sind, um die Gewerbserzeugnisse des Vaterlandes in angemessener Menge zur Anschauung zu bringen.
Das Münchener Ausstellungsgebäude wurde 1845 vollendet. Das Material ist Sandstein, bekleidet mit gelblichem, Eichstädter Marmor. Der Baumeister ist Friedrich Ziebland, und er darf stolz auf sein Werk seyn.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/19&oldid=- (Version vom 28.3.2025)