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Johann Galeazzo, der schlechte Sohn seines unwürdigen Vaters, Galeazzo’s II., – eines der vielen Visconti’s, welche vom eilften bis fünfzehnten Jahrhundert über das Mailändische herrschten und durch Raub- und Faktionskriege wie durch häusliche Schandthaten die Ehre Italiens befleckten und Glück, Würde und Freiheit des Volks mit Füßen traten, – Johann Galeazzo hatte einen Oheim, Barnabo, vor dessen Nachstellungen schon sein Vater sich von Mailand nach Pavia zurückgezogen hatte und dessen Macht auch er fürchtete. Diesen, einen, nach Art der Visconti’s, finsteren, ungestümen und grausamen Mann (– er bestrafte, wie die von gekrönten deutschen Waidmännern im 19. Jahrhundert erlassenen Gesetze, Wilddiebe nicht nur, sondern auch jede „Beleidigung“ seiner Jagdhunde standrechtlich mit dem Tode!) – galt es, aus der Welt zu schaffen. Johann war mit diesem Entschluß, seitdem er 1378 zur Regierung gekommen war, vertraut; dennoch vermählte er sich 1380, nach dem Tode seiner ersten Gattin, mit der Tochter seines Opfers. Zuerst versuchte er es mit Vergiftung. Die Versuche mißlangen. Da steckte Galeazzo die Larve der Freundschaft auf und lud seinen Oheim und Schwiegervater ein zu einer Lustfahrt auf dem Lago Maggiore. Der alte Sünder ging in die Falle des jungen. Er wurde mit zweien seiner Söhne festgenommen, auf Befehl des Neffen und Schwiegersohnes in’s Gefängniß geworfen und hier 1388, und diesmal wirksam, vergiftet. Der fürstlichen Greuelthat setzte das Mittel, die Wuth des Volks vom Mörder abzulenken und die Masse für sich zu gewinnen, die Krone auf. Johann hetzte das Volk zur Ermordung der Beamten seines Onkels und gab die Schätze und Schlösser desselben der Plünderung Preis.

Auf diesem blutbeschmutzten Grund erstand der Plan des Kirchenbaus, den die Nachwelt als ein Wunderwerk der Frömmigkeit verehrt hat. „Zur Sühne seiner Schuld und Erlösung seiner Seele“ – so berichten die italienischen Chronisten – legte Johann Galeazzo 1396 den ersten Stein. Dieß geschah mit dem höchsten Gepränge im Beiseyn der Bischöfe von Pavia, Novara, Feltre und Vicenza, sowie der ganzen übrigen Geistlichkeit seiner Herrschaften, und Millionen wurden nun aus dem Volke gepreßt, um den Bau zu fördern. – Die Pfaffen aber lohnten den Fürsten mit dem Nimbus der Heiligkeit, und um derselben sich noch würdiger zu beweisen, veranstaltete Johann jährlich große Wallfahrten zu dem Schreine der heil. Jungfrau. Der Opferstock füllte sich bei solchen Zügen bis oben an. Kein Wunder, daß die Geistlichkeit in ihm den treuesten Sohn der Kirche erkannte und ihn dem dummen, betrogenen Volke als einen Gegenstand der Verehrung anpries. „Willst Du ein Heiliger werden, so morde Deinen Bruder und gib Dein Vermögen der Kirche“ – sagt Hutten. Es ist immer so gewesen.

Das Gebäude selbst, nach Bauart, Größe, Einrichtung und Ausschmückung, verdient die Bewunderung, die ihm stets zu Theil wurde. In drei Jahren war der Bau so weit vollendet, daß ein Prior mit vier und zwanzig Mönchen seinen Einzug halten konnte. Ungeheuere Privat- und Staatsgüter, die der Gründer für Klostergut erklärte, erhoben die Karthause sogleich zu einer der reichsten Abteien Italiens. In seinem letzten Willen verordnete der