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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Aller Reichthum ist gnomischer Natur. Das Saatkorn selbst muß seine Wurzeln in die Erde senken, und der Baum entnimmt der Finsterniß die Stoffe, aus denen er seine Frucht bereitet.– So kann auch die irdische Macht den unterirdischen Ursprung nicht verleugnen; denn Reichthum ist ihr stärkster Arm und ein armes Volk hat noch nie dauernde Herrschaft auf Erden geübt. Allein giebt jedoch der Reichthum eben so wenig Macht, als er sie erhält, und ein mit Schätzen gesegnetes Volk, das still und behaglich für sich fortvegetiren wollte, würde immer die Beute Anderer werden. Der Reichthum muß den Nationen, die nach ausgedehnter Herrschaft streben, nie mehr seyn wollen, als ein Mittel, ein Diener des Willens, welcher rastlos nach immer weiterem Wirkungskreise trachtet. Eine höhere Rolle spielt er auch nicht in dem einzigen Weltreich, welches die Gegenwart so nennen darf. – Wir sehen England im Besitz unermeßlichen Gutes; aber es genießt es nicht. Es ist in steter Bewegung umher getrieben, stets wogend und stürmend wie ein Luftmeer, immer aufgeregt, immer angespornt, immer gährend, stets im Zustand der Verjüngung, fort und fort weiter strebend nach Höhe und riefe; einwirkend, belebend, regenerirend auf alle Völker, die es berührt, oder ihre Auflösung beschleunigend. Trachtend mit beharrlicher Gier nach der Vergrösserung seines unermeßlichen Besitzes, verfolgt es mit nicht minderem Eifer die ihm von Gott angewiesene höhere Bestimmung und ein Freund christlicher Gesittung, der Humanität und der Freiheit, ist es der natürliche Bundesgenosse aller Völker, die gleichartige Bestrebungen in vernünftigen Schranken verfolgen. Festen Fußes steht die große Britannia auf der Mutter Erde, doch ihr Haupt ist aufwärts gerichtet. Sie achtet das Zeitliche hoch, wie die alte Roma; aber sie wirkt für das Ewige so bedeutsam, wie das ältere Hellas. Das wird die Welt ihr danken, wenn ihre irdische Herrlichkeit erblichen ist, und der Arm, der sich jetzt befehlend über das Erdrund auestreckt, keinem Sonnenstäubchen mehr gebietet. –
Nicht leere, gaukelnde Luftgestalten, wie in des Menschen Traum, sondern Thaten von innen heraus lebendig, Riesengeburten schaffender Thätigkeiten sind es, mit denen das britische Weltreich seine äußere Erscheinung kund thut. In Titanenweise hat es nach der Weltherrschaft gerungen, und titanenmäßig wirkt es immerfort für die Erweiterung und Erhaltung solcher Herrschaft. Wo wir hinblicken, auf die britischen Küsten, oder in das Binnenland, auf die nahen oder auf die fernen Kolonien, auf die einsamen Felsen der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/20&oldid=- (Version vom 28.3.2025)