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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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der Civilisation, wie viele Millionen und aber Millionen sind da vorhanden, in denen sich jeder Gedanke des engen Gehirns nur um die unmittelbare Noth dreht, und in wie Vielen erliegt der gebundene Geist dem mit jedem Morgen neu erwachenden Elend und Kummer! Wir sehen Völker ein langes Leben hindurch stumpf, gleich Wanderthieren, durch Wüsten ziehen. Kein Lächeln können sie der Einöde abgewinnen und keinen Segen, als die Beute des lauernden Auges und des räuberischen Arms, des Diebstahls und des Mords. Wir sehen Andere, welche keine Freude auf Erden kennen, als jene, welche die gierige Hand zum Mund bringt. Wir preisen stolz der Bildung hellen Tag, und finstere Nacht ruht auf der Masse der Menschheit! Den wenigen Hunderttausenden, in denen höhere Geisteskultur sich bethätigt, stehen Hunderte von Millionen gegenüber, in deren Seelen kein Lichtstrahl dringt und die in Elend und Stumpfsinnigkeit die lange Bahn von der Wiege bis zum Grabe durchlaufen, ohne Gedanken an die Vergangenheit, ohne Ahnung und Glauben einer bessern Zukunft, ohne Selbstbewußtseyn, ohne einen Begriff, der außer dem engsten Kreise des Lebensbedürfnisses liegt. Sie sterben dahin mit keinem andern Gefühl, als daß, – wenn ihre Zeit um ist, – der Boden, der sie geboren hat, sie wieder verschlinge. Wem die Religion noch eine Anweisung auf die ewige Seligkeit schrieb, der hat noch einen Trost; – doch auch diese wohlfeile Barmherzigkeit wird den Wenigsten zu Theil; denn die Mehrzahl der Religionen setzt das Reich der ewigen Qual und Strafen am Rande des Grabes hin und sie füllt noch in der Sterbestunde den Leidensbecher ihrer Gläubigen mit Aengsten und Schrecknissen! Trostlosigkeit begleitet sie durch’s Leben, – Trostlosigkeit ist ihre Mitgift für die Ewigkeit.
In den Raçen, welche durch Merkmale und Körperbildung scharf sich scheiden, geht der Stamm des Menschengeschlechts wie in Aesten auseinander. Eine Raçe ist die auserwählte. Die kaukasische, der auch wir angehören, ist es, welche seit Jahrtausenden die höhere Entwickelung des Menschengeschlechts trägt. Sie ist die Hüterin des heiligen Feuers; das Apostelthum der Kultur gehört nur ihr. Darum ward ihr Macht gegeben über alle Völker und mittelst dieser Macht streut sie die Funken über die Erde hin und richtet sie der Gesittung Altäre auf in allen Zonen. Im Alterthum war die Sphäre enge; jetzt ist sie weit geworden! Vor 2000 Jahren reichte die Kultur noch nicht über die Länder des Mittelmeeres hinaus. Seitdem hat sie alle Oceane überschritten, und wie die Herrschaft der kaukasischen Völker allmählig alle Kontinente umfaßt hat, hat auch ihre Kultur die übrigen Raçen ergriffen – und die sie nicht aufnehmen wollen, die müssen verschwinden. Doch während so der erwählte Stamm des Ostens seine Schößlinge allwärts hin treibt, während er schon die ganze neue Welt mit seinen Zweigen überschattet, wird er selbst faul in seinen alten Sitzen, seine Wurzeln sterben rückwärts ab und er läßt seine sonst kraft- und kulturreichsten Völker verweichlicht, entsittlicht, entartet, in Verwesung oder verwildert zurück. Blickt nach Armenien, nach den euxinischen Ufern, nach den türkischen und persischen Ländern,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/201&oldid=- (Version vom 12.4.2025)