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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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nach Griechenland; schaut nach Italien und der iberischen Halbinsel: was seht ihr? Dort verwilderte Völker, hier sinkende, altersschwache Nationen, die träumerisch und kraftlos von ihrer großen Vergangenheit zehren und zu einer dauernden Erhebung unfähig, und unwürdig der Freiheit, der Säbelherrschaft verfallen.
Wir dürfen uns nicht täuschen! Selbst Deutschlands Volk, das jetzt in seinen alten Wohnsitzen nach seiner Verjüngung ringt, hat das Räthsel seiner Aufgabe noch nicht gelöst. Die Zeichen geben Vieles zu bedenken. Ein so großes Volk, welches, innerhalb eines Menschenalters, sich zweimal von seinen Fürsten betrügen und geduldig wieder einjochen ließ, ein Volk, daß nun vielleicht zum drittenmal in Frankfurt die kaum errungene und mit seinem Blute bezahlte Freiheit verrathen und verhandeln sehen wird – ein solches Volk ist in seine absteigende Bahn gewiß eingetreten, wenn es sich nicht ermannt und die Hochverräther abschüttelt. Es wird sich bald zeigen. Wäre der alte Stamm aber auch wirklich faul – so werden doch seine Schößlinge im Westen zu Bäumen erwachsen, und während dann die Väter in der alten Welt in Sklavenketten gehen, tragen die Söhne siegreich ihr Sternenbanner durch die neue Welt, und genießen, stolz und ruhmvoll, das Glück der Freiheit in vollen Zügen.
Wie der gebildete Deutsche in Nordamerika auf der Staffel der westlichen Kultur am höchsten steht, so der Feuerländer am niedrigsten. Dies verlassene Geschlecht, welches vom Kontagium geschichtlicher Entwickelung, das die Völker weckt, emporreißt und groß macht oder elend, nie berührt ward, hätte noch Jahrtausende fortvegetiren können, wären die Kulturmenschen fern von ihm geblieben! Leider haben sie ihm nur Böses gebracht. Sie machten die starren Geister nicht flüssig mit der Flamme ihres Branntweins, sie machten sie nicht menschlicher, indem sie sie mit ihrem Donner und Blitz bewaffneten; sie machten sie nicht glücklicher und zufriedener, indem sie die alten Götter wegnahmen und das Kreuz auf die Berge pflanzten. Seitdem der Verkehr mit den britischen und amerikanischen Wallfischfängern begonnen hat, decimiren Völlerei, Krankheit und innere Fehde das arme Völkchen; sie beschleunigen dessen Vernichtung, und die Zeit ist nicht fern, wo im Stammverzeichniß der Menschheit der Feuerländer nichts mehr seyn wird, als ein leerer Name.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/202&oldid=- (Version vom 12.4.2025)