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DLV. Die Ruinen von Edfou in Aegypten.




Jahrtausende fluthen in’s Meer der Ewigkeit hinab; Jahrhunderte rollen vorüber; Geschlechter kommen und gehen und auf den Stufen des Glücks und der Macht steigen die Nationen auf und nieder. Nichts ist dauernd als der Wechsel; nichts ist beständig als der Tod. Doch trägt jeder Tod wieder ein Leben in seinem Schooße, wie jedes Leben ein Sterben, ein Verbluten, ein Verwelken, oder ein Verschwinden. Kreislauf ist’s, doch ein Kreislauf wie am Sternenhimmel: ein Kreislauf mit Fortbewegung zu Zielen, die in unfaßlichen Fernen stehen.

Und diese Fortbewegung ist unser Trost. Ohne dieselbe wäre unser Im-Kreise-gehen in der That nur ein Stillstand, die Bewegung nur Schein, die Achse, um die sich Alles dreht, das leere Nichts. Es ist auch diese Fortbewegung der stärkste Bürge unserer Unsterblichkeit. Der Raupe gleich, die eingesponnen im dunkelsten Blatte wohnt, um später im Sonnenschein von Blume zu Blume zu flattern, werden auch wir Erdenpuppen von Stern zu Sternen fliegen und im Fluge den Himmel küssen. – Und mit dem Sternenauge werden wir dann auf die Erde herabsehen und denken der alten Heimath und der Freuden und Leiden, die sie gegeben hat, und die Saaten groß wachsen sehen, die wir ausgestreut, und die Früchte betrachten mit dem Gefühl der Seligen, wenn sie gut waren, und sind sie schlecht gewesen mit dem Gefühl der Verdammten.

„Was in der Zeit Du gesäet in die dunkeln Furchen der Erde,
Aerndte davon – sprach Gott – im lichten Himmel für ewig.

Das Räthsel der ewigen Vergeltung erhält also die einfache Lösung.

Auch diese Trümmer, deren Bild uns den beredten Zeugen einer viertausendjährigen Vergangenheit vor’s Auge führt, kündigen von dem steten Fortschreiten im geistigen Leben der Menschheit. Zwischen den Bildungsgraden von damals und jetzt, welche Kluft! und wie ärmlich erscheint die Errungenschaft des kulturreichsten Volks des Alterthums gegen den Schatz des Wissens und Könnens der Neuzeit! Ein Schulknabe weiß jetzt mehr als alle Weisen des Pharaonenlandes zusammen, und Vieles ist jetzt unmöglich, was man damals den Völkern zumuthen