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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Ich habe Mancherlei geschrieben, auch einmal eine Zeitung für’s Volk. Das war im Jahre Einunddreißig, als die alte deutsche Eiche wieder einmal junge Sprossen der Freiheit trieb. Es währte leider! nur kurze Zeit und das Leben meiner Zeitung auch nicht lange; denn der Bundestag selig fand, noch ehe der erste Jahrgang zum Schluß kam, daß an dem Lichte, was ich dem Volke aufgesteckt hatte, genug sey auf ein volles Lustrum, und als guter Haushalter verklebte er mir für 5 Jahre den Mund. Das Pflaster war ein Heftpflaster und hätt’s Einem wohl verleiden mögen auf alle Zeit. Indessen kommt mir doch dann und wann noch die Lust an, im Volkston zu plaudern, und da schreibe ich eine Seite voll für Hansen’s Blatt, oder für Kunzen’s, und schick’s hin und frage nicht weiter darnach. – Heute nun, da ich am Universum schreiben will und der Setzer wartet, plagt mich das alle Gelüste zu ungelegener Zeit. – Lieber Leser! halte mir’s zu gut dies Einemal, wenn ich dir mit dem Styl und Inhalt der nächsten Blätter Aergerniß gebe: kannst sie ja überschlagen. –
Meine liebe Gemeinde!
Die deutschen Pfaffen sind einmal rechte Esel gewesen. Wißt ihr warum? Ich will’s euch sagen.
Ihr seyd doch meist gereiste Leute. Ihr seyd den Rhein hinunter gefahren und den Main, und die Elbe hinab und die Weser, und habt die grauen, herrlichen Münster gesehen, die ihre Häupter bis in die Wolken stecken, und andere Zeichen von der gewesenen Macht und Pracht der Kirche und ihren Reichthum: aber erkundigtet ihr euch nach den Palästen ihrer Priester, so wies man mit spöttelndem Lächeln auf eine einfache Wohnung. Fragt ihr nach den Abteien und Klöstern, so heißt es, das sind Kammergüter; fragt ihr nach den Wäldern, die den Kirchenfürsten fürstliche Einkünfte gaben, so heißt es, es sind landesherrliche Domainen, und die prächtigen Pfaffen-Schlösser, sie werden euch als Lusthäuser der Fürsten gewiesen, ein quid pro quo, an dem der Herrgott auch keine Freude hat. – Wie ist es zugegangen mit dieser Veränderung? Wie ist das Kirchengut Fürstengut geworden und der schwelgende Prälat zum armen Pfarrer, der von seines Herrn, des Staats, Gnade kümmerlich lebt? – Ich will’s euch erzählen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/215&oldid=- (Version vom 13.4.2025)