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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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und Pfleger der Lehre Desjenigen, dessen Leben und Kreuzestod Liebe, Duldung und Versöhnung predigen; – von den Menschen, die von sich rühmen, Gott habe sie auf den sittlichen Richterstuhl gesetzt, Er habe sie erkohren zu Ausspendern seiner ewigen Gerechtigkeit; – von den Menschen sage ich, die sich ausgeben als die Hüter der Gewissen und als die Schlüsselhalter des Himmels; –von den Menschen, die, mögen sie Kutte, Skapulier oder Priesterrock tragen, unter allen Heuchlern meinen tiefsten Haß und meine meiste Verachtung haben: den Pharisäern und Pfaffen, welche sich zu den ächten, ehrwürdigen Priestern Gottes verhalten, wie die Lüge zur Wahrheit. Wo ist ein Pfaff, der nicht Christus verfolgt mit falscher Lehre? der die Völker nicht betrügt mit verdummendem Unsinn? der nicht willig eingeht in jeden Plan zu ihrer Knechtung und Ueberlistung? Wo ist ein Pfaff, der den brutalen Aberglauben von der Kanzel und dem Altare peitscht; der verkündigt, daß der schmähliche christliche Götzendienst ein Ende nehmen müsse; der nicht länger rauschen mag in den dürren Blättern seines Breviers oder seiner Liturgie; der gewillt ist, das Menschenherz durch eine wahre, werkthätige, auch den Verstand befriedigende Menschenliebe zu erwärmen? Nennt mir einen Einzigen unter den Zehntausenden in ganz Deutschland, der sprossendes Leben und hellen Geist wieder in die todten Formen des Glaubens zurückzubringen aufrichtig bemüht ist, nennt einen Einzigen, der dem Vorwärts der Völker aufrichtig zugethan sey, oder Einen nur, der das Wunder richtig deutet, welches der Herr in Deutschland im März gethan hat und der wahrhafte Begeisterung im Herzen trüge für die Ideen, welche sich kund gegeben in dieser großen Zeit: – nennt mir diesen Einzigen, und ich will meinen Haß bezwingen und sagen, es ist dem Pfaffenvolk durch mein Urtheil zu viel geschehen! –
Ich führe nun euern Blick auf die Schauerscenen, deren Mittelpunkt vor 220 Jahren der Magdeburger Dom gewesen ist. – Gustav Adolf, der Held des Glaubens und der Freiheit, hatte mit der Magdeburger Bürgerschaft Bündniß geschlossen. Das kaiserliche Heer nahete. Der König sandte der Stadt zur Unterstützung seinen Obersten Falkenberg, der jedoch nur mit 500 Mann Schweden einziehen durfte und sich vielfachen, sein militärisches Walten eifersüchtig bewachenden Beschränkungen unterwerfen mußte. Tilly erschien im Dezember 1630. Er berennte die Stadt. Ihre eigentliche Belagerung begann im April 1631. Besatzung und Einwohnerschaft wehrten sich mit standhaftem Muthe, obgleich die Vertheidigung durch Uneinigkeit öfters geschwächt war. Aber auch die Belagerer waren tapfer – täglich fast stürmten sie eines oder das andere der Außenwerke, und nach Verlauf von 6 Wochen, als auch der Hunger die Besatzung dezimirte, welche das ununterbrochene Feuer der Kaiserlichen schon sehr geschwächt hatte, mußte der Bürger Widerstand brechen. Nur schwedischer Entsatz konnte sie noch retten. Gustav Adolf hatte sein Versprechen gegeben, „sich ihrer königlich und fürstlich anzunehmen und sie in keiner Noth zu verlassen“. Doch im kritischen Augenblick zog er das rettende Schwert
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 217. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/225&oldid=- (Version vom 13.4.2025)