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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Nein, ihr Könige und Kunst du, als Königsmagd: die Sprüche der Geschichte fälscht ihr nimmer mit euern Lügen von Erz und Stein, und das Schandglöckchen der Vergangenheit macht ihr nimmer zum Ehrengeläute für die Verbrecher an Volk und Freiheit, an Humanität und Gesittung. Wer gerichtet ist durch seine Thaten, wie Tilly, der bleibt gerichtet für immerdar. Erhöbet ihr solche Menschen auch bis in den Himmel: die Welt wird in ihnen immer nur Völkerschlächter sehen und – verabscheuen.
Daß ihr aber, Monarchen! aus solchen kraftvollen Werkzeugen eures Willens gern unsterbliche Halbgötter gießen und meiseln lassen möchtet, ist euch nicht zu verübeln. Denn ihr braucht solche Leute. Ihr brauchtet sie gestern, ihr braucht sie heute. – Oder ist’s nicht so? Neapel, Mailand, Messina, Wien – gebt Antwort! –
Magdeburg’s Dom ist unter den Denkmälern der gothischen Baukunst in Norddeutschland eines der edelsten und es war der Restauration wohl werth, auf welche der vorige König nicht weniger als 300,000 Thaler verwendete. Nachdem die uralte Kathedrale im Jahre 1207 vom Feuer zerstört worden war, hatte man im folgenden Jahre den Grundstein zu dem jetzigen Bau gelegt, zu dem der Meister Bohnensack die Risse entwarf. 155 Jahre beschäftigte das Werk die Steinmetzen; erst im Jahre 1363 wurden die Bauhütten abgebrochen und das Arbeitervolk entlassen. Die Länge des Gotteshauses mißt über 300 Fuß; das mittlere Schiff hat 106 Fuß Höhe und die prächtigen Kreuzgewölbe ruhen auf zwei und zwanzig mit Spitzbögen versehenen Bündelsäulen. Jedes der Seitenschiffe ist von 16 Fenstern beleuchtet und eben so viele, aber größere Fenster sind in der hohen Wand des Mittelschiffs angebracht. Kostbare Glasmalereien schmücken mehre, und eine Menge prachtvoller Grabmonumente, welche teilweise aus dem Schutt des ältern Doms gerettet und später hier aufgestellt worden waren, machen das Gebäude wichtig für das Studium der deutschen Kunst in uralter Zeit. Die sehenswerthesten sind die Marmor-Grabmäler des Kaisers Otto und seiner Gemahlin Editha, der angelsächsischen Königstochter, aus dem 10. Jahrhundert.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 220. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/228&oldid=- (Version vom 13.4.2025)