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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Das rechte Wort schrieb Martin Luther auf die Fahne des Protestantismus: „Eine feste Burg ist unser Gott!“ Mit diesem Jubelchor des gereinigten und befreiten Glaubens führte er seine Gemeinde in eine neue Zeit herüber durch den dreißigjährigen Schlachttag. Das Wort war dem Irren ein Wegweiser, dem Müden und Bangen ein Stab, dem Muthigen ein Schwert; es war Aufrichtung, Trost und Ermuthigung den Geschlagenen und den Ueberwindern eine Quelle der Demuth und des Erbarmens gegen die Ueberwundenen. In der Kirche wie in der Schlacht ertönt noch heute Luther’s tapfere Melodie; der Verfolgte um seines Glaubens, den die Unduldsamkeit von der heimathlichen Erde vertreibt, stärkt sich an dem Wort in der Fremde, die Gedrückten hält es aufrecht, die Bedrängten ermannt es zum Widerstand, es schwebt über die Lippen der verlassenen Armuth auf ihrem Strohlager und sterbender Helden auf dem Bette der Ehre. Unzertrennlich verbunden mit den Begriffen Reformation und Protestantismus zeigt dieses rechte Wort besonders in unseren Tagen seine Kraft: es zerreißt das Netz, das die alte Kreuzspinne Roms über die deutsche Christenheit ausbreiten will, und bleiben wird es das donnernde Signal der Glaubensfreiheit, so lange es Deutsche und Protestanten gibt.
Auch die Revolution, welche die Fesseln abschlägt geknechteten Völkern, – auch sie, welche „Sklavenheerden zu Nationen erhebt“ hat ihr rechtes Wort gefunden. Die Hymne der Freiheit ist die Marseillaise! – Aus den gewaltigsten Stürmen der ersten Umwälzung brauste sie hervor – ihr begeisterndes „Allons, enfans de la patrie!“ trieb die Nation todesfreudig in die Schlachten; es war der Zauberer, welcher die Heere aus dem Boden stampfte, den Sieg an jede Niederlage reihete und Helden schuf und Heldenthaten verrichtete, welche die Welt mit Bewunderung erfüllt haben. Die Marseillaise begleitete die Revolution auf allen ihren Eroberungs-, Sieges- und Trauerzügen und bildete mit der Trikolore und der Freiheit eine unzertrennliche Trias. An die Marseillaise knüpft der Franzose der Freiheit Daseyn; mit ihr geht sie, mit ihr kömmt sie wieder. Wenn sie verstummt, so triumphiren die Feinde; wenn sie erschallt, so zittern sie, es wanken die Throne, es steigen die Könige von ihren Sitzen herab. Aber sie straft auch unerbittlich Jeden, der auf ihren Fittigen sich erhob und auf der Höhe ihre Bundesgenossenschaft aufgab. Als Napoleon von ihr abfiel und damit verleugnete seine Sendung zur Befreiung der Welt von den Fürsten, da war sein Gang nur noch ein Gehen zum Abgrund. Die Bourbonen, die sie mit Füßen traten, stieß sie vom Thron, und Louis Philipp, den sie erhob und der sie verrieth wie ein gemeiner Schurke, den schickte sie mit dem Bündelchen unter dem Arme aus den Tuillerien, und sie warf auf den Scheiterhaufen den Thron, welchen der Bürgerkönig wie ein Taschenspieler geschändet hatte. Und so wird sie fortfahren, jeden ihrer Verräther zu verderben so lange, bis kein Verrath an der Freiheit mehr gewagt wird.
Das rechte Wort für die Freiheit im Glauben haben wir gefunden; aber für die Freiheit im Leben, wo ist das? – Was singen und sagen wir? – „Heil Dir im Siegerkranz, Vater des Vaterlands“ – „Gott erhalte unsern etc. etc. – „Sie sollen ihn nicht haben etc. etc. – – Sprich, Michel! was ist von dem Allen dein rechtes
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/232&oldid=- (Version vom 13.4.2025)