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Es hatte einen öffentlichen Schatz in der Burg und in dem Dianatempel, und dieser füllte sich mit der reichen Beute der Siege. Der Reichthum seiner Kaufleute war märchenhaft groß. Als Rom durch Brennus belagert wurde, konnten die Massilier ihrer Bundesgenossin ungeheure Summen verschießen, die sie zurück erhielten, als Camillus die Stadt gerettet hatte. Von dieser Zeit an dehnten sich die Unternehmungen immer weiter aus. Die Stadt wurde die Mutter vieler Kolonien an den Küsten Galliens, Italiens und Spaniens, und sie gründete im Innern des gallischen Landes eine Menge Orte. Alle diese wurden wieder zu Märkten für den Handel der Massilier, und ihn zu erleichtern und zu befördern wurden keine Kosten gescheut. Die Rhonemündungen wurden schiffbar gemacht, Ströme ausgetieft, die Flußschifffahrt im Binnenlande eingerichtet, Kanäle gebaut und die Küstenfahrt geregelt. Als Tyrus unter der Macht Alexanders des Großen zusammengebrochen war, theilte Massilia nur noch mit Karthago die Herrschaft über den Handel des Mittelmeers, und noch ehe Alexandria einen Theil dieser Herrschaft an sich gerissen hatte, trugen die Massilier ihre Handelsflagge über die Säulen des Herkules hinaus. Sie begannen an der Westküste Afrika’s einen einträglichen Sklavenhandel, entdeckten den Weg zu den Kassiteriden, holten Zinn von Cornwall und öffneten sich die Straße durch Sund und Belt in das baltische Meer, um den im Alterthum so hochgeschätzten Bernstein an der preußischen Küste zu holen.

Marseille, vom griechischen Mutterlande längst getrennt, bildete damals mit seinen Kolonien eine mächtige Republik, und das Ansehen derselben erreichte den höchsten Gipfel im Kampfe mit Rom gegen Karthago, als diese herrlichste Stadt Nordafrika’s dem italischen Schwerte erlag. Fortan, um des unermeßlichen Gewinnes willen, mit Rom auf’s Engste verbündet, leitete sie zu sich hin die Schätze des großen Reichs, unter dessen Schutz sie keinen Nebenbuhler mehr zu fürchten hatte. Aber gerade aus dieser Sicherheit keimte das Verderben. Massilia vernachlässigte, was sie gehoben hatte, die Pflege ihrer eigenen Streitkräfte. Ihre Kriegsflotte kam herab; denn ein Feind zur See war nicht mehr zu bekämpfen; und ihr Landheer verminderte sich auf das an Rom zu stellende Bundeskontingent. Die unermeßlichen Kräfte des Staats und Volks versumpften allmählig in Schwelgerei und Luxus. In diesem Zustand der Entartung überraschte sie der Bürgerkrieg zwischen Pompejus und Cäsar. Massilia hatte für Ersteren Partei ergriffen. Cäsar aber züchtigte es furchtbar nach tapferem und langdauerndem Widerstand, während dessen der Handel floh, und knickte seine Kraft. Zwar ließ der Sieger die Stadt im Besitze mancher Privilegien; doch die blühenden und zahlreichen Kolonien, die Quellen des Reichthums, trennte er ab und führte dadurch den raschen Verfall ihres Verkehrs herbei. Einen Schein von Unabhängigkeit behielt sie dennoch und auf der Stätte des Handels ließ sich nun die Wissenschaft nieder. Sie wurde eine Nebenbuhlerin Athens.

Als die Freiheit in Rom zu Grabe getragen war, als dort die monarchische Verfassung an die Stelle der republikanischen trat, begann der Verfall des Weltreichs. Während der Kaiserzeit erhielt sich in Massilia zwar noch