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Woolwich, das 8 englische Meilen unterhalb London an der Themse liegt, bildet mit seinen unermeßlichen Werken gleichsam die Propyläen zum Hafen der Weltstadt. Bis zur Zeit Heinrich’s VIII. war es ein Fischerdörfchen. Dieser König errichtete ein Werft zum Bau von Kriegsschiffen und umgab dasselbe mit Schanzen. Aus diesem Anfange sind die jetzigen Anlagen erwachsen.

Das heutige Woolwich hat nicht blos als Marine-Arsenal eine große Wichtigkeit; eine nicht geringere erhält es als Depot für die Artillerie der ganzen britischen Streitmacht. – An diese Bestimmung knüpfen sich mehre Anstalten: z. B. die Artillerie-Cadettenschule für 300 Zöglinge, ein Artillerie-Hospital mit 700 Betten, die Kasernen für die gesammte Artillerie mit Raum für 10,000 Mann; Kanonengießereien, Lafettenbauwerkstätten, Laboratorien für die Anfertigung von Wurfgeschossen, Brandern etc. und für die Signal- und Leuchtfeuer der Flotte und der Landtruppen.

Sämmtliche Anlagen nehmen, den Ufern der Themse entlang, einen Raum von mehr als 15 Millionen Quadratfuß ein; die Gebäude allein bedecken ein Areal von 4000 Fuß Länge und 700 Fuß Tiefe. Fünf Docken für den Bau der größten Kriegsschiffe machen Front gegen den Strom; für die britischen Flotten, welche in den letzten hundert Jahren auf allen Meeren kämpften und siegten, ward hier unablässig gezimmert. Zur Zeit des Continentalkriegs überstieg die Zahl der Arbeiter in Woolwich oft 6000; sie ist jetzt 2000–2500. Alles ist riesenhaft in diesen Anlagen. Die Werkstätten z. B. für die Fertigung der Ankertaue, die Ketten- und Ankerschmieden, die Walzwerke für den Kupfer- und Zinkbeschlag der Schiffe, die Ateliers für Modellbau, und jene, in welchen das Schiffbauholz zugerichtet wird, die Magazine für die Rohstoff, etc. sind Gebäude, welche 600 bis 1000 Fuß Fronte haben. Bei den meisten Arbeiten sieht man die gefesselten Naturkräfte dienstbar; überall hat jener praktische, kunstreiche Geist, der der britischen Nation in Allem, was Arbeit heißt, ein entschiedenes Uebergewicht über alle andern Völker verleiht, sich eine thätige Maschinenwelt für die besonderen Arbeitszwecke geschaffen und hergerichtet, so daß den Menschen nichts weiter übrig bleibt als die Nachhülfe und die Ueberwachung. Das Spinnen des Hanfs für die Taue, das Theeren sogar für die einzelnen Fäden, die Bewegung aller Lasten, das Zertrennen und Fügen, das Glätten und Hobeln, das Schmieden, Biegen und Nieten der Metalle, das Krümmen und Zerkleinern der Hölzer – Alles ist Maschinenwerk, und die gebannte Riesenkraft, welche es verrichtet, folgt gehorsam der Hand des Menschen. Ungeheuere Geschütze, welche bestimmt waren, die Mauern indischer Bergfesten zu zermalmen, sah ich bohren von einem Knaben. Tonnenschwere Bloche von Eichenholz erhalten in einer der hiesigen Werkstätten unter den Messern und Hobeleisen einer Dampfmaschine, fast ohne alles menschliche Zuthun, ihre erforderliche Form in so viel Stunden, als der Schiffszimmermann sonst Tage brauchte, und mit einer Präzision und Nettigkeit, welche die geschickteste Hand nicht übertreffen kann.