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Stille, stille! daß der Aufschrei des empörten Gefühls die Henker nicht in ihrem Werke störe; denn sie haben noch viel zu thun und „mit Pulver und Blei“ ihr Maß zu füllen. Sie werden’s gewißlich voll machen. Und dann? Nun dann ist ihr Gerichtstag vorüber. Und dann? Nun – „Wie du richtest, so wird man dich wieder richten.“ So sagt die Bibel. –

Mit der Hinrichtung des hervorragendsten und gefeiertsten Mannes der deutschen Reichsversammlung, die den Mantel der Unverletzlichkeit um ihre Mitglieder warf, um sie vor der Barbarei von Oben wie von Unten zu schützen, ist der letzte Strahl der Märzsonne erloschen. Was weiter kömmt, das ist Wetter und Sturm in grauenvoller Nacht. Das Vermitteln ist nun aus. Die Fäden der Versöhnung sind zerhauen. Der Engel des Friedens flieht verhüllt aus dem deutschen Lande und ein anderer hält Einzug mit dem flammenden Schwerte. Nicht um aufzubauen, sondern um zu zerstören; nicht um zu schützen, sondern um zu rauben; nicht um zu verzeihen, sondern um zu rächen kommt er. So weit ist’s im Vaterland gediehen! Seine Sterne – sie erlöschen. Für immer? Wer denkt daran! Die Trostlosigkeit gilt nur der nächsten Zeit.

Als in den Märztagen die Throne verlassen waren von ihren Satelliten, damals, als jedes Soldatenherz erwärmt war von der Morgensonne der Freiheit und kein Gewehr losging gegen die Bürger und der Rachen der Kanonen den Königen die Stimme versagte: – damals, als das Volk über das Leben aller seiner Feinde gebot, aber es schonte und Keinem ein Haar krümmte in überschwenglicher Großmuth: da dachten edle Männer daran, diese Tugend des Volks zum Gesetz zu erheben, damit, wenn die Macht wieder an jene käme, die nie Erbarmen gehegt und die nie geschont haben, sie ihren Rachedurst wenigstens nicht mit Blut sollten stillen dürfen. Die Nationalversammlungen schafften daher die Todesstrafe für politische Verbrechen ab. Doch der Tyrannen Glück liegt ja eben in der Hoffnungslosigkeit der Unglücklichen: – sie können nicht herrschen ohne Tod. Sie wissen nur mit Leichenhaufen ihre Throne zu stützen, wenn sie wanken. Darum würden sie das Gesetz nicht achten, das ihnen den Mordstahl gegen überwundene Feinde entwindet, und hätte es Gott selbsteigen besiegelt. O, die Unglückseligen! Für wen denn reißen sie die Schranken wieder nieder, welche die menschlichen Gesetzgeber der Nation um die rächenden blutschnaubenden Leidenschaften gezogen haben? Für wen denn? Liegt nicht das Buch von 92 und 93 aufgeschlagen vor ihnen? Für wen wurden denn damals die Schaffotte aufgerichtet und blank geschliffen die verrosteten Beile der Henker? – Ahnet denn Keiner dieser Gewaltigen, welche Bürgerblut zum Kitt ihrer aus den Fugen gehenden Throne in Strömen vergießen: – ahnet denn kein Einziger, daß das furchtbare Standrecht, mit dem sie nach dem Siege wehrlose Ueberwundene ohne Erbarmen „mit Pulver und Blei“ in den Orkus schicken, auch einmal eine andere Anwendung erhalten könnte, als gegen besiegte Streiter für der Völker Recht und Freiheit? Werden sie immer auf die Großmuth der Nationen zu rechnen haben? Ich zweifle. Wenn das Blatt sich wendet, dann mögen sie mit Entsetzen ihres Irrthums inne werden und Blum’s Geist ihnen schreckend vor Augen treten.