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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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„Panis et Circenses!“ – Brod und Spiele! – an diesen Ringen ließ man den Bären tanzen in der alten klassischen Zeit. Friedrich II. sagte: „Wenn ich die ganze Welt speisen und amüsiren könnte, würde ich sie auch beherrschen; da ich jenes aber nicht kann, behelfe ich mich mit der Ehrfurcht, den Ehren und dem Golde; mit Beamten, Soldaten und Kanonen.“ Lebte der alte Fritz heute, so würde er vielleicht hinzusetzen: „mit Versprechungen und Konstitutionen.“ Die schönen Tage dieser Behelfe sind jedoch auch vorüber; die Völker glauben ihnen nicht mehr. Es geht den Gewaltigen damit, wie einem sinkenden Geschäftsmann; man will erst dessen alte Wechsel bezahlt haben, ehe man ihm neue abnimmt. Und der Wechsel sind so viele an die Ordre der leichtgläubigen Völker gezogen worden, daß, wenn die Inhaber auf Bezahlung drängten, die Aussteller sich meistens insolvent erklären müßten. Das Hauptelement des Gährens, Auflösens, Hoffens und Neugestaltens in dieser Zeit liegt ja eben darin, daß die alten Leitringe abgenutzt und durchgerieben sind und keiner mehr halten will. Das geistig erweckte Volk mag nicht mehr bloß sich satt essen: Spiel allein macht ihm Langeweile; mit dem Katzengeld der Ehre, der Titel und Orden ists nicht mehr zu kirren; seine abergläubische Ehrfurcht vor den Gesalbten des Herrn ist abgestreift und umgeschlagen in Mißachtung; die Beamten sieht es als Diener, nicht als Herren an, und im Soldaten wird der Bürger wach und kömmt der Zweifel auf, ob denn die Kriegsartikel, welche er im Tornister trägt, auch wirklich die einzige Richtschnur seines Verhaltens und der Inbegriff seyen aller seiner Pflichten gegen Staat und Volk. So bleiben denn die Kanonen allein übrig als letzter und einziger Verlaß der Fürsten. Auch sie donnern nicht ewig! Wie lange wird denn noch der Rachen der Geschütze gebildeten Völkern unterwürfigen Gehorsam predigen, und wird nicht vielmehr die Zeit bald kommen, daß ihr Mund sich aufthut zur allgemeinen Siegesfeier der Nationen über ihre Dränger? Gott allein weiß die Stunde; aber komme sie über kurz oder lang, immer bleibt es zu beklagen, daß den Stimmen der Billigkeit und Gerechtigkeit nicht mehr Vertrauen wurde von Seite der Fürsten, da es noch Zeit war! Wäre dieß geschehen, wie ganz anders sähe es jetzt um den Frieden in der Gesellschaft aus, wie ganz anders um das Völkerglück in Europa, und fest stände die staatliche Ordnung, trotz den Stürmen, die auf dem Meere der Ideen und der Meinungen rasen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 240. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/248&oldid=- (Version vom 14.4.2025)