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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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edlen Natur, daß sie immer gut und billig erscheinen wollen im Streite mit ihren Fürsten und großmüthig sind nach jedem Siege; wenn sie aber stets Hohn und Undank dafür empfingen, wird es ihnen verargt werden können, wenn sie endlich einen andern Weg einschlagen? Wenn sie selbst Rechtfertigung begehren, statt sich zu entschuldigen? wenn sie fordern, statt zu bitten? wenn sie nehmen, was ihnen gebührt und ihr Recht ist, ohne lange zu fragen, ob man’s geben will? wenn sie ihren Schuldnern zurufen: „zahlt! von Stundung und Aufschub ist nicht mehr die Rede!“ – Ströme des edelsten Bluts sind genug vergossen worden in vergeblichem Ringen; sie sollen nicht immer umsonst vergossen werden.
Warum siegten bisher Verrath und Bosheit nach jeder Niederlage wieder und wodurch machten sie jeden Volkssieg wieder zu nichte? Weil Verrath und Bosheit stets den kürzesten Weg gehen zu ihrem Ziel, unbekümmert wie schmutzig er sey, oder wie scheußlich; die Völker aber zurückscheuen vor jedem unreinen Wege zu ihrem Zwecke, sie darum oft Umwege suchen und einschlagen und die beste Zeit verlieren. Dadurch geben sie ihren Gegnern den Vorsprung und den Vortheil selbst in die Hände. Das wird künftig anders werden müssen. Wie die Gegner für die Gewaltherrschaft thun, so thue das Volk für die Freiheit: Schwert gegen Schwert, Feuer gegen Feuer, List gegen List. Börne hat Recht, wenn er sagt: „Die Freiheit, wenn sie das Feld behaupten will, muß Alles haben, was im feindlichen Lager zu finden ist: Stückknechte, Rothmäntel, Kroaten, Szerezaner, Baschkiren, Marodeurs, Paukenschläger und Troßbuben: denn die Tyrannen fürchten nur solche Waffen, die sie selbst führen.“ –
Es liegt im Wesen dieser gewaltigen Zeit, daß sie mit magnetischer Kraft in ihren Kreis Alles hineinzieht, was rege wird im Reiche des Gedankens. Nichts liegt so fern, dessen sie sich nicht bemeisterte, und nichts ist ihr zu fremd, es an sich zu knüpfen. So rankte mein Gedanke unvermerkt am grauen Denkmal der römischen Imperatoren zur Gegenwart hinan, und von der Arena für die Gladiatorenkämpfe bin ich unbewußt auf die Schlachtfelder gekommen, wo jetzt Völker-Freiheit und Fürsten-Willkühr über die Herrschaft des Welttheils sich streiten. Ich folgte einer unsichtbaren Kraft. Steigen wir nun wieder hinunter zur Vergangenheit, um ein Werk aus der altrömischen Welt zu betrachten.
Pola, im istrischen Küstenlande, ist der Todtenhügel der stolzen Pietas-Julia, in der einst 80,000 römische Bürger lebten. Das Amphitheater ist ihr Grabstein. Da Roms Glanz im Occident erbleichte, als die Adler aus den Provinzen scheu zum Kapitol zurück flüchteten und als die aufgestandenen und beutelustigen Völker von Nord und Ost die Mauern Italiens gestürmt hatten und hinabgestiegen waren von den Alpen, um im Herzen des Weltreichs die himmelhoch angewachsene Schuld zu strafen am Römervolk bis zur Vernichtung: da ging
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 244. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/252&oldid=- (Version vom 15.4.2025)