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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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französische Freiheit in einem Meere von Blut: die Elsasser holten sie mit herauf und hatten ihren Theil an der großen Beute. Als dann der Korse kam und die Revolution betrog, und den Franzosen den Ruhm statt der Freiheit gab; als dann die Adler flogen von Schlacht zu Schlacht und von Sieg zu Sieg über den Welttheil: – da war freilich auch das Elsaß im Rausche befangen und es lag mit auf den Knieen vor seinem Götzen im Kaisermantel. Aber es war kein fremder Gott; es war ein Gott, den sie sich selbst gemacht. Die deutschen Fürsten aber mit ihrem herabgewürdigten Volk, sie lagen dutzendweise vor dem Altar des ausländischen Götzen und küßten die Sklavenfessel, die sie aus seinen Händen empfingen! Erst als diese unerträglich geworden war, wurde sie abgeworfen; doch das Volk tauschte nur Kette um Kette. Welcher Druck war ärger, als der des deutschen Bundes? Und was hätte in dieser Periode der Knechtung die Elsasser reizen können, von Frankreich zu lassen und deutsch zu werden? Auch die der Julirevolution folgenden Zustände in Deutschland waren keine Aussaat für deutschen Patriotismus: der damalige deutsche Liberalismus war ein Licht, das der Bundestag schnell auslöschte, und dem kurzen Wetterleuchten folgte die lange, rabenschwarze Nacht des Despotismus, den Metternich und seine Genossen so eifrig hüteten, wie Cerberus die Hölle.
Für die Kronenträger war das die Rosenzeit. Die treuen Phylaxe wachten; das eingepferchte Volk schnarchte; die Presse war stumm und geknebelt: – da konnten die Fürsten sorglos seyn und sie waren es auch: sie gingen auf Reisen. Wie die Mücken vor Sonnenuntergang, so schwärmten die Glieder der Vetterschaft in Europa umher, die Herrlichkeit des Lebens genießend, und die Saugpumpen, die im Volksmark standen, gingen indessen lustig fort, und die Millionen, die das Reisen kostete, hörten nicht auf zu fließen. Wo aber war in dieser Zeit die Erpressung, Unzufriedenheit, Druck und Knechtung am allergrößten? Nicht in Frankreich, sondern in Deutschland! Und so haben wir denn die Elsasser bis zur Revolution dieses Jahres begleitet und konnten den Stein nicht finden, den wir wegen ihrer Gleichgültigkeit gegen das sprach- und stammverwandte Reich auf sie schleudern sollten. Die Steine, die am Wege lagen, sie hatten alle eine andere Aufschrift.
Anders ist es seit dem Sonnenaufgang dieses Jahres. Das Elsaß sah, daß Deutschland sich erhob, daß es kämpfte und daß sein Volk entschlossen die Freiheit wollte. Mochten nun auch die Bewohner jenes alten deutschen Herzogthums jenseits des Rheins nicht allsogleich achten auf den von Lamartine für Frankreich aufgestellten Grundsatz der Revolution: „Die Verträge von 1815 sind gelöst, und die Grenzen werden nur so lange als bindend erkannt, als nicht die Nationen aufstehen und sich mit den Stämmen wieder vereinen wollen, von denen sie in unnatürlicher Weise früher abgehauen worden sind“ – mochten ihnen auch die deutschen Bewegungen, da sich ihrer so bald die Reaktion wieder bemächtigte, nicht das feste Vertrauen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 251. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/259&oldid=- (Version vom 15.4.2025)