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DXXII. Basel.




Hart am Rheinstrom, am Thore Helvetiens, Frankreichs und des deutschen Bundes, in einer gesegneten, schönen Landschaft, liegt das „reiche“ Basel, ehedem eine freie Stadt und Vormauer des deutschen Reichs, bis auch dieser Eckstein vom morschen Haus abbröckelte und es, im Anfang des 16. Jahrhunderts, mit seinem Gebiet als Kanton dem Schweizerbunde beitrat. Dieß Verhältniß dauerte bis zum Jahre 1832. Die Landgemeinden, welche bis daher von Basel, der Stadt, in politischer Nichtigkeit erhalten worden, waren endlich zum Gefühl ihrer unwürdigen Lage gekommen, und nach manchen vergeblichen Versuchen, sie friedlich zu ändern, sprengten sie, in einem allgemeinen Aufstande, in jenem Jahre ihre Fesseln und sagten sich aus dem politischen Verbande der Stadt los. Der kurze blutige Kampf, in welchem die Stadt unterlag, endigte in der Trennung des Kantons. – Basel-Stadt und Basel-Land schieden so, daß jedes fortan bei der Tagsatzung für Bundessachen eine halbe Stimme selbstständig repräsentirte. Mit zwei treu gebliebenen Dörfern hat Basel-Stadt etwa 20,000 Seelen. Nicht nach Bevölkerung, sondern nach Areal ist es, nächst San Marino, die kleinste der Republiken auf der Erde.

Die Römer schon hatten ein Castrum auf der Stelle des heutigen Basels zum Schutz der Hauptstadt der Provinz, der prächtigen Augusta Rauracorum. In spätern Zeiten setzte das Christenthum einen bischöflichen Stuhl hin mit reicher Ausstattung, und über die letzten Trümmer des Standorts römischer Legionen stiegen (im 11ten und 12ten Jahrhundert) jene auf unserm Bilde aus der Häusermasse hervortretenden beiden Thürme des Münsters empor. Während der Kreuzzüge gelangte Basel, als nunmehriger Knotenpunkt der Hauptverkehrstraßen Frankreichs, Belgiens, Deutschlands und Italiens, zur Handelswichtigkeit und wachsendem Reichthum. Die Stiftung einer Universität im 15ten Jahrh. aus bürgerlichen Mitteln läßt den großen Sinn erkennen, der damals das Gemeinwesen belebte. Basel ward ein Hauptsitz der Gelehrsamkeit und der freien Forschung auf allen Feldern der Wissenschaften, ein Sammelplatz der reichsten Geister, der unternehmendsten Köpfe, der berühmtesten Künstler. Erasmus, Froben und Holbein lebten als Zeitgenossen und als Freunde hier. Die Bürgerschaft erstarkte zu einer furchtbaren Kraft und offenbarte ihre Macht in Thaten der Kühnheit und langen Ausdauer. Auf eigne Hand führten die Bürger von Basel einen dreißigjährigen Krieg gegen die adeligen Raubhorden des Oberrheins, des Elsaß und Schwabens, und sie ruheten nicht, bis sie alle bezwungen. Sie zerstörten ihre Schlösser,