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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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einflößen, so durften sie doch nimmermehr Hohn schleudern auf die Mutter, der sie, trotz zweihundertjähriger Trennung und trotz der zahlreichen französischen Nationalisirungsversuche, weder in Sprache noch in Sitte entfremdet werden konnten. Die Schmach dieser Herabwürdigung und Verleugnung ihrer Abstammung, dieses unedle Lossagen von den Pflichten, die ihnen tausend Denkmäler und tausend Blätter ihrer frühern Geschichte auflegen, fällt auf die Festfeirer des Elsaß selbst zurück und stempelt diese Feier zu einer Schande.
Da liegt das schöne Land und schmiegt sich um die alte Stadt und ihren deutschen Dom. Nach Westen verschließen die Vogesen dem Blick die Pforte nach Frankreich: nach Osten öffnen sich die Gauen, als breiteten sie zum Willkomm die Arme aus. Und dort wäre eine Grenze? Der Rhein zerschneidet nichts, er schmückt nur als Silbergürtel das grüne Prachtkleid des schönsten deutschen Landes.
Sprich, mit welchem Band sollen wir dich wieder festknüpfen an die alte Mutter? „Mit dem Band vollkommenster Freiheit und Volksehre.“ – Ja, erst dann, wenn die Nation Michels alten Aberglauben abgestreift hat ganz und gar; erst wenn der Glaube lebendig geworden ist, daß nur sie allein das Recht besitze und kein Herrscherrecht bestehe neben diesem; erst wenn sie ihre Macht stolz fühlt und weiß, daß keine größer seyn soll auf Erden, als die ihrige; erst wenn sie selbst daran nicht mehr zweifeln wird, daß die deutsche Welt ihr allein gehören muß, und nicht der kleinste Theil davon andern Reichen und fremden Königen zustehen darf; kurz, wenn die Erkenntniß ihrer Macht und ihres Rechts durchdrungen hat der Nation Mark und Gebein; wenn alle Dynastenfarben erblichen sind, und statt der vielen Kronen ein einziger Bürgerhut das Haupt bedeckt, von dem das Volk nach den Gesetzen regiert wird, die es sich selbst gegeben hat kraft seines ewigen Rechts: erst dann wird die deutsche Trikolore ihre Wunderkraft bewähren und alle Söhne des Vaterlandes zusammenrufen. Eher nicht! Aber
Läg’ auch der Tag noch Jahre weit,
Wir wissen doch: es kommt die Zeit!
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 252. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/260&oldid=- (Version vom 15.4.2025)