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DLXIV. Der Münster in Freiburg.




Kampf, Kampf auf Leben und Tod – ist jetzt das Losungswort von Millionen! Was anfänglich nur als leichte Gegensätze erschienen war, das haben die Leidenschaften und Interessen immer weiter aus einander getrieben, die Parteien haben sich geschieden und unversöhnlich stehen sich die Entzweiten einander gegenüber. In den Strudel des Streits wird Jeder gezogen. Bei dem Rufe: „Wer nicht mit uns ist, ist wider uns!“ muß ein Jeder Partei ergreifen. Es ist keine Wahl gelassen.

„Vor dem Kriege flieht die Gerechtigkeit.“ Auch der Meinungsstreit, der jetzt in Deutschland wüthet und dem Bürgerkriege die Schwerter schleift, hat den Boden der Gerechtigkeit verlassen und die Wahrheit tritt er mit Füßen. Keine Waffe wird mehr für zu schlecht geachtet, um dem Feinde zu schaden, und kein Mensch ist so ehrwürdig und so makellos, keiner steht so hoch in der öffentlichen Achtung, der jetzt nicht gefaßt seyn muß, das Schlimmste zu erdulden, was Lüge und Verleumdung, was Bosheit, giftiger Haß und maßlose Leidenschaftlichkeit ihm zufügen können. Geschichte, Sittengesetz und Recht sind herabgezogen von den Altären in den Koth der Gasse, und ihre Tempel sind zu Rüstkammern geworden, aus denen jede Partei, für jede tyrannische Anmaßung und für jede brutale oder abgefeimte Willkür sich nach ihrem Bedarf die nöthigen Waffen holt. So ist es. Helfe Gott, daß es anders werde!

In jenem Sich-Lossagen von aller Gerechtigkeit und Wahrheit, in dem Abstreifen aller Billigkeit und Humanität des Urtheils ist eben die Unversöhnlichkeit der Streitenden begründet. Jede Partei treibt’s auf die äußerste Spitze und macht so den entschlossenen Kampf zur Nothwehr. Die Rollen blutiger Gewaltthat wechseln herüber und hinüber. Mit jedem Zusammenstoße wächst die grenzenlose Erbitterung der Unterliegenden, der Hohn und der Uebermuth der Ueberwinder. Und – das ist das Eigenthümliche in diesem Kampfe! – von jeder Niederlage steht der Geschlagene stärker auf und jeder Sieg macht den Frieden unmöglicher. Grauen kommt über Einen, wenn man den Blick in die nächste Zukunft wirft. Rabenschwarz, wie ein zerstörendes Wetter, steigt sie herauf am deutschen Himmel. Frankfurt war des Wetters erstes Leuchten, Wien ist sein erstes Donnern! –

Furcht kann die Gefahr nicht entfernen. Muth allein kann sie besiegen. Sehen wir dem Ungeheuer fest in’s Auge, dessen weitgeöffneter Rachen dem Vaterlande Verderben droht, und halten wir ihm entschlossen Schild und