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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Lanze entgegen! Jetzt ist die Reaktion die siegende Partei, und für das Volk und die Freiheit wäre Gefahr, wenn sie ihren Sieg mit Mäßigung und Weisheit zu gebrauchen wüßte. Aber sie mißbraucht ihn und kehrt so die Spitze ihres Schwerts gegen sich selbst. Jene Partei, vom Herrn verlassen, will nicht versöhnen. Wie ein verwegener Spieler, der, als er einen großen Einsatz gewonnen hat, Va banque! ruft für die nächste Karte, und wenn auch diese schlägt, von Tisch zu Tisch rennt, um alles Gewonnene auch wieder auf eine Karte zu wagen fort und fort, bis er endlich Alles verliert: – so schreitet die Reaktion auf dem betretenen Pfade roher Gewalt dem Aeußersten zu, hinter welchem der Abgrund ihres Verderbens gähnt. Sie unterdrückt, quält, stachelt, erbittert und wälzt so lange den Felsblock den Berg hinan, bis sie, von ihm überwältigt und zerschmettert, mit ihm hinabrollt. So gewiß als jeder Nacht ein Tag folgt, so gewiß wird die Monarchie auf dem Wege, den sie jetzt betreten hat, ihr Werk der verschlagenen Weltklugheit, ihr Werk, das sie so viele Jahrhunderte aufgebaut hat mit unablässigem Eifer, selbst zerstören in einer verhängnißvollen Stunde. Wer den Dynasten den Rath gab, ihre Mäntel im Bürgerblut aufzufärben, der hat ihnen schlecht gerathen. Blut ist kein Purpur, und indem sich die rothe Monarchie mit der rothen Republik auf eine Linie stellt – so stößt sie sich selbst den Dolch in’s Herz. Je tiefer die Alleinherrschaft in Blut watet, je breiter sie das Bett gräbt, in dem das Leben der Völker dahin strömt, um so schneller wird sie von den Wogen an die äußerste Grenze ihres Bestands getragen, und während sie wähnt, Alles erreicht zu haben, steht sie am Rande der Vernichtung. Da angelangt, ist kein Rückschreiten möglich. Wenn sie abgefallen sind von ihrer Bestimmung ganz und gar, so haben die Männer von Gottes Gnaden keinen Gnadenblick von Gott mehr zu hoffen. Mögen sie dann noch eine Zeit lang wie Nachtwandler über die andern Menschen auf den Firsten der Dächer gehen; mögen sie, wie himmelstürmende Titanen, Berge auf Berge wälzen; mögen sie die Völker mit Bajonnetten spießen und die Städte mit Kanonen zerschmettern im starren, herzlosen, furchtbaren Wahne, eine Krone sey mehr als ein Volk; mögen sie Schädel zu Pyramiden fügen, die an die Wolken reichen und oben drauf ihre Throne stellen: – wenn das Schreckenswerk hoch genug hinaufgewachsen ist, so wird es des Himmels Blitze auf sich ziehen oder zusammen brechen unter seiner eigenen Last und die Baumeister begraben unter den Trümmern. – Alle Macht des Unrechts ist nichts gegen die ethischen Gesetze; und diese sind die treuesten Helfer der mißhandelten Nationen.
Kleinmüthige kann manche Erscheinung der Gegenwart wohl irre machen. Sie sehen, wie das Einschüchterungssystem allwärts um sich greift und vor keiner Gewaltthat zurückbebt. Sie sehen, wie die Reaktion mit Cymbeln und Pfeifen ihre Hoffnung auf die Rückkehr der Volksknechtung frech von Land zu Land führt; sie sehen, wie die Fähnlein von Ehedem flattern auf den Bergen und in den Auen, und die schlechten Gesellen, die damals, als der Lenzsturm des Herrn über die Reiche fuhr, in der Angst des bösen Gewissens sich verkrochen, alle
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/264&oldid=- (Version vom 16.4.2025)