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und Formen. Es hatte damals das Recht des Stärkern alle Phasen seiner Entwickelung durchlaufen, im Feudalwesen hatte es seine organische Gliederung und seine rechtliche Weihe empfangen, im Ritterwesen, veredelt und vergeistigt, seine schönsten Blüthen entfaltet: – sein besseres Leben war beschlossen und es würde, wie schon die Erscheinungen der Raubritter kund thaten, unfehlbar die Barbarei zurückgeführt haben, wenn dies verträglich gewesen wäre mit der Weltordnung, die das Fortschreiten der Menschheit zu höherer Vollkommenheit unwandelbar bedingt. Der germanische Völkerstamm war schon längst der Träger der Kultur und des Fortschritts: – seine Mission, die noch lange nicht zu Ende ist, konnte daher auch damals keine Unterbrechung dulden.

Darum erweckte Gott in einem armen Mönch einen Gedanken, der die stagnirende Welt neu bewegte: – Peter von Amiens predigte der ritterlichen Christenheit den Zug nach Palästina! Auf Peter folgte in Deutschland der heilige Bernhard, welcher mit brennender Begeisterung alle tapfern und edlen Herzen für die Idee befeuerte, das Land, wo der Heiland gelebt, gelehrt und gelitten, aus der Hand der Ungläubigen zu befreien. Der Ort, wo er zuerst auftrat, war eben das Gotteshaus, dessen herrliche Gestalt im Bilde schon unser Wohlgefallen erregt hat: – der Freiburger Münster. Hier, im Jahre 1146 am 13. Juli, predigte Bernhard den Zug in’s gelobte Land, und noch an diesem ersten Tage nahmen über 300 Ritter und Bürger das Kreuz!

Nur das bestimmte Ziel hatte der begeisterte Mönch im Auge; darüber hinaus reichte sein Blick nicht. Von der unendlichen Tragweite seiner Worte, welche das Abendland gegen den Orient in Bewegung setzten, hatte er keine Ahnung. Niemand hatte sie; denn die unermeßlichen Folgen für die Civilisation traten erst in den nächsten Jahrhunderten klar hervor, nachdem die Kreuzzüge und Gottesfahrten den Pfad gangbar gemacht hatten zu dem wild verwachsenen Morgenlande. Auf der alten wieder geöffneten Götterstraße pilgerte nun eine neue Ideenwelt mit den Heimkehrenden in den Occident. Anderer Glaube, andere Propheten, andere Weisheit wurden zum Erstenmal bekannt in der bisher streng in sich abgeschlossenen occidentalischen Christenheit; neue Gedankenformen, neue Vorstellungen, neue Tonleiter der Empfindungen, neue Sitten und Weltanschauungen traten an die alten heran, forderten sie zum Streite heraus, und unterlagen entweder, oder fingen an, jene zu unternagen und zu lockern. Mit den Ritterschaaren des Westens zogen viele Träger der occidentalen Wissenschaft nach Osten. Hunderte ließen sich in Byzanz nieder und gaben sich da den Studien der griechischen Literaturschätze hin. Altgriechenland stieg nun herauf im Abendlande, wie durch sarazenischen Zauber aus dem Todtenreich beschworen, – die Ideenwelt des Alterthums wurde prägnant in den germanischen Geistern, die klassische Bildung fing an, als ein neues unwiderstehliches Auflösungsmittel die deutsche Gedankenwelt zu zersetzen. Gleichzeitig fraßen die Schwerter der Sarazenen, oder das stürmende Meer, oder die mordende Seuche, oder das wüste, üppige Leben in den Großstädten des Orients und Italiens die Rittergeschlechter des Abendlandes auf, die Burgen verödeten, die Macht des waffenstarken Adels war gebrochen und das Bürgerthum – ein empfänglicher Boden für die