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Die Kirche hat eine Länge von 175 Fuß, bei 82 Fuß Höhe; zwei Reihen herrlicher Bündelsäulen tragen die kühnen Gewölbe und spalten den Raum in ein Hauptschiff und zwei Nebenschiffe. Der fünfseitig geschlossene Chor ist höher als das Langhaus und hat eine Länge von 157 Fuß. Kostbarer Bilderschmuck füllt die innern und äußern Wände. Die Hauptfenster sind mit Glasgemälden bedeckt, und zur Zierde der Altäre haben die berühmtesten Maler der oberdeutschen Schule mit einander gewetteifert. Von Baldung Grün sind die Bilder des Hochaltars. Die Holzskulptur erschöpfte ihre Kunst an Chorstühlen, Kanzel und Gesimsen, und das Geschick der alten Bildhauer und Erzgießer ist an den Grabmälern zu schauen, die bis in’s zwölfte Jahrhundert hinan reichen. Das Bewundernswertheste aber ist der Thurm, dessen 20 Fuß starke Fundamente über 40 Fuß tief in die Erde gesenkt sind, während der Oberbau bis zur Spitze sich 415 Fuß hoch erhebt. Der untere Stock ist ein Viereck von 120 Fuß, bildet weiter oben bis zur Gallerie ein Zwölfeck, und von dieser steigt die achteckige, kühn und zart wie Filigranarbeit durchbrochene Pyramide bis zur Spitze auf. „Wer die Baumeister der deutschen Vorzeit in ihrer Größe kennen lernen will,“ sagt Wiebeking in seinem Werke über die deutsche Architektur, „der muß Freiburgs Thurm untersuchen. Alles daran, sowohl Konstruktion als Ausführung, ist Trefflichkeit.“

Wir, die wir nicht als Baumeister das Menschenwerk betrachten, wir staunen es an als die große That jener Glaubensbegeisterung, von der die Bibel zeugt: – sie kann Berge versetzen und Thäler ebnen. Wir staunen; doch wir begreifen’s nicht. Vergebens suchen wir den Leitfaden in jene geheimnißvolle Glaubenswelt, die ihren Aetherhimmel über die christliche Menschheit ausspannte und alle Gestalten ihres damaligen Lebens beseelte. Das Stufenjahr, es liegt hinter uns, wie die Kindheit: denn, älter geworden, vermögen wir die Idee, welche ihren Erscheinungen inne wohnt, kaum mehr zu fassen. Eine andere Sprache, andere Bilder, andere Ideen, andere Sympathien sind in uns lebendig, ein anderes Feuer erwärmt die Geister, für andere Ziele schwärmt das Volk und ist bereit, ihm jegliches Opfer zu bringen. Wie sonst der Glaube sich die Gemeinschaft mit einer andern Welt eröffnete, so schließt auch das Völkerstreben nach Freiheit die Pforte einer Zukunft auf und beseelt mit seiner Zuversicht und seiner Hoffnung die ungeborne Zeit.

Die Werke des Glaubens sind herrlich; doch die Werke der Freiheit werden, wenn wir meisterlich und mit Ausdauer bauen nach meisterlichem Plane, noch herrlicher werden. Nicht ergrauend, wie unsere Münster, werden sie nach Ablauf von Jahrtausenden noch gesund und frisch dastehen, fortwachsend und sich neu gestaltend, dem Weltgeist, eine Freude, dem Volke ein Heil, dem Vaterlande zum Glück und den Baumeistern zur höchsten Ehre.