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daraus, die Gesetz und Macht nicht zum Heile, sondern zum Verderben und zur Qual der Völker handhabt. Das Zepter wird dann zur Ruthe, das schützende Schild ein Werkzeug der Bedrückung, das richtende Schwert ein Mittel des Schreckens und der Qualen für die geknechteten Völker. Mit der Umkehr stürzt alles Gute, und Pflicht und That der Herrscher verhalten sich wie der Himmel zur Hölle.

So lehrt die Erfahrung. Die Lehre ist einfach, verständlich für jedes Kind, auch für das größte: das Volk. Und die Völker haben zu allen Zeiten an dieser Lehre festgehalten. Inzwischen kommen beide eben beschriebenen Gegensätze nur in wenigen Monarchien der Gegenwart zur vollen Erscheinung. Die Zustände müssen arg seyn, ehe ein Volk sagt, sie sind „von Teufels Gnaden,“ und viele Völker stützen gutmüthig die zerfressenen vier Säulen durch eine fünfte: Geduld. Welcher Thron in Deutschland hätte jetzt nicht diese Stütze und welcher könnte sie ganz entbehren?

Ja, es gibt unter den wechselvollen Bildern im Guckkasten des Lebens kein rührenderes, als das von der Treue und dem Vertrauen, von der Liebe, dem Gehorsam und der Engelsgeduld, womit die deutschen Stämme viele Jahrhunderte hindurch ihren Fürstengeschlechtern zugethan waren. Land und Landesherr waren in den Begriffen des Volks zusammen gewachsen, sie bildeten ein so vollkommen Ganzes, daß keines ohne das andere gedacht wurde. Warf die Sonne des Glücks einen Freudenstrahl in die Hallen des Regentenhauses, so jauchzte das ganze Volt in seinem Widerschein; zogen Wetterwolken über der Fürstenfamilie zusammen, so zitterte das Volk in Sorge und Angst um die geliebten Häupter; war ein Trauerflor über das Schloß gebreitet, so weinten die treuen Augen in der ärmsten Hütte. Es war nicht befohlenes Schreien, wenn das Volk über eine glückliche fürstliche Niederkunft jubelte, und eben so rein vom Herzen kam die Freude der Unterthanen, wenn sie die Kinder ihres Fürsten gut und froh heranblühen sahen. Deshalb ging auch die Anhänglichkeit vom Vater auf den Sohn über und man verzieh noch dem Enkel manches Unrecht, um des Großvaters vielleicht einziger guten That willen. Die Wappen der Fürstenfamilien wurden Landeswappen, für deren Ehre das Volk Gut und Blut willig einsetzte; der Namenszug des Fürsten schmückte bei öffentlichen Festen Hallen und Pforten und das Lebehoch auf ihn und sein Haus brauchte nicht auf dem Programm zu stehen; es brach sich von selbst Bahn. Alle Künste huldigten ihm und von seiner Hand mußte geweihet werden, was öffentliche Ehre und Anerkennung finden wollte. Und das Volk rechnete sich’s hoch an, wenn ein Dichter von ihm singen konnte, wie „Eberhart mit dem Barte, Würtembergs geliebter Herr“, der da sprach:

„Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;
Doch ein Kleinod hält’s verborgen:
Daß in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann ohne Sorgen
Legen Jedem in den Schooß.“