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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Pompadour hatten in Frankreich eine so unheilvolle Herrschaft ausgeübt, als das Fräulein von Grävenitz in Würtemberg unter und über Herzog Eberhard Ludwig. Schon im sechszehnten Jahre von der Vormundschaft seines Oheims (Friedrich Karl) und seiner Mutter (Magdalena Sybilla) befreit, lebte der junge Fürst bis zum Frieden von Riswyck (1698) in Basel. Erst nachdem in Folge dieses Friedens die Franzosen Würtemberg geräumt hatten, erschien er in der Mitte seines Volks, das, nach der damaligen Lage der Dinge, nur von ihm Rettung aus seiner tiefen Noth erwarten konnte. Aber der junge Fürst steckte die goldnen Schranken eines glänzenden Hofstaats zwischen sich und dem Volksjammer auf, und entwich ihm, wenn er zu laut zu werden wagte, auf weiten und kostspieligen Reisen. Ein Ländchen, so von Gott gesegnet, wie Würtemberg, und ein Völkchen, so gutherzig wie die Schwaben, war jedoch auch dadurch noch lange nicht zum Aeußersten gebracht. Es mußte ärger kommen und – es kam. Der Vater Ludwig Eberhards hatte die Schuldenlast um Millionen vermehrt, trotz dem, daß er an dem Kriege zwischen Oesterreich und Frankreich keinen Theil genommen hatte. Dem Sohne hingegen war es eine Hauptsorge, sich für diesen Krieg zu rüsten und mit allem Glanz eines kaiserlichen Feldmarschalls zu umgeben. Eine der Blüthe des Volks enthobene stattliche Armee führte er zur Schlachtbank. An das Kriegsunglück knüpfte der Fürst das Schlimmste und Erniedrigendste, was über Volk und Land verhängt werden kann, die Maitressenherrschaft. Von 1708 bis 1731, ganzer dreiundzwanzig Jahre, regierte eine Hure mit ihrem diebischen Gelichter über das geduldige Würtemberg! Allen Bitten und Klagen, Warnungen und Drohungen der gesetzlichen Volksvertreter, der Landstände, antwortete der Herr von Gottes Gnaden mit Spott und Hohn. Schon im ersten Jahre ihres Regiments hatte die Grävenitz das Land die ganze Wucht ihrer absoluten Gewalt empfinden lassen. Die Stände, jammernd über den Ruin des Landes, erschöpften alle gesetzlichen Mittel, um ihn abzuwenden; aber bitten, flehen, drohen, – Alles war in den Wind. Sie bestürmten den Reichstag um Abhülfe und wirkten endlich doch einen Befehl vom Reichsoberhaupt aus, der die Messaline aus Würtemberg verbannte. Sie ging an den Genfersee, und – der Herzog ging ihr nach mit dem ganzen Hofe! Es sollte dem dummen Volke bewiesen werden, daß es auch außerhalb des Landes regiert werden könne! Daneben hatte man auf den Bedientensinn der Stuttgarter gerechnet und die gemachte Rechnung traf zu. Die Residenzler sehnten sich nach dem Hofe und seinen Freuden und Vortheilen zurück, und der unterthänigst angeflehte Fürst beglückte das Land mit seiner Heimkehr. Er hielt feierlich Einzug an der Seite der Maitresse. Der Herzog hatte, um die Konkubine weniger anstößig zu machen, solche unter großem Gepränge mit einem Grafen von Würben vermählen lassen und gleichzeitig ernannte er ihren Bruder zum ersten Minister. Das arme Land! Aber dessen Klagen verstummten unter der Doppelherrschaft der Gewalt und Intrike; jedes Widerstreben mußte biegen oder brechen. Selbst des Herzogs Gemahlin, eine Prinzessin von Baden, fiel als Opfer; sie wurde schändlich verleumdet und vom Hofe verbannt. Die Maitresse führte oft selbst den Vorsitz im Kabinet, sie diktirte ihre Beschlüsse den Ministern, beherrschte die Behörden, verkaufte die Beamtenstellen an die Meistbietenden, trieb alle „Mißbeliebigen“ von ihren Posten und
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 267. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/275&oldid=- (Version vom 17.4.2025)