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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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und sie hier so lange einsperren, bis sie alle ihr vom Herzog geschenkten Güter zurück gegeben hatte. Sie mußte eine Urkunde ausstellen, daß dies – freiwillig geschehen sey!!
Nach dem Tode dieses Fürsten (1733) verschrumpfte der Pilz der Maitressengunst so rasch, als er aufgeschossen war. Der Nachfolger auf dem Schwabenthron, Herzog Karl Alexander, zog mit dem gesammten Hof- und Staatswesen wieder nach Stuttgart, und die schönen Tage Ludwigsburgs waren auf eine Zeitlang zu Ende. Doch das Land gewann bei diesem Wechsel nichts. Der neue Herzog war ein Wicht in anderer Weise. Aus Habsucht wechselte er den Glauben (er wurde katholisch); angeblich um Ordnung in die Kassen zu bringen, machte er den Hofjuden Süß-Oppenheimer zum Finanzminister mit fast unumschränkter Gewalt und haderte und prozessiere mit den lästigen Landständen. Den Plan, sich ganz und gar von ihnen zu befreien und den Schwaben die Süßigkeiten einer absoluten Monarchie kosten zu lassen, durchschnitt die Parze; er starb 1737 an einem Schlagflusse.
Mit seinem Tode streifte Ludwigsburg sein Trauergewand wieder ab: denn es begann nun die Zeit seines höchsten Glanzes. Der Herzog Karl erhob Ludwigsburg zu seiner beständigen Residenz. Auch von Karl hieß es: „die schönen Hoffnungen, welche das Land auf seinen jungen Fürsten gesetzt hatte, blieben leider unerfüllt.“ – „Karl war ein hochbegabter Mann, von der Natur (sagt sein Biograph Kurz) mit allen Eigenschaften der Selbstständigkeit und mit einem durchdringenden Verstande ausgerüstet. – – Leidenschaften, die bei der Jugend gewöhnlich die Zeichen großer Anlagen sind, begannen unbezähmbar in ihm zu erwachen, die Schmeichelei des Hofes kam ihm auf mehr als halbem Wege entgegen, er fühlte die gefährliche Macht, die in seine Hände gegeben war, und adoptirte nur zu willig die orientalischen Regierungsgrundsätze, die sich um jene Zeit von Frankreich aus an den deutschen Höfen eingenistet hatten.“ – – Herzog Karl kann als ein Muster der Fürsten des 18. Jahrhunderts gelten. Despoten waren alle; denn alle waren Zöglinge des Versailler Meisters, den sie jedoch selten an Originalität und Energie erreichten. – Selbst Kaiser Joseph konnte ja den Tyrannen nicht ganz verleugnen! Dieser große Fürst despotisirte in der Ausführung aller seiner Pläne für Freiheit und Beglückung der Völker in der Weise jenes Zeloten, der da predigte: „Ihr müßt selig werden, und sollte Euch der Teufel in den Himmel führen!“ – An das Glück seines Volks dachte aber Herzog Karl nicht eher, als bis er über 3 Decennien lang fast ganz allein für seine Launen, Leidenschaften und Lüste geherrscht hatte. Erst nachdem er dem Volke das Mark ausgesogen, um seiner Eitelkeit und Prachtsucht zu fröhnen, nachdem er viele Millionen vergeudet hatte für Hofprunk, Opern, Bauten, Reisen und Maitressen, erst nachdem er das flitternde und bunte Soldatenspiel bis zum Ekel ausgekostet hatte, war er – und nicht auf die Bitten seines Volks, sondern auf Veranlassung der Höfe von Wien, Berlin, London und Kopenhagen – zu bewegen, nicht bloß auf das giftige Kleeblatt des Landes, den Aemterjuden Wittleder, den Maitressenspediteur Montmarin und den Polizeiminister Rieger, sondern auch auf die Stimme der wackern Volksvertreter zu hören. Er besserte sich in sofern, als seine Eitelkeit und sein Schafftrieb sich mehr und mehr vom Luxus ab-
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/277&oldid=- (Version vom 17.4.2025)