Seite:Meyers Universum 12. Band 1847.djvu/278

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

und auf nützliche Gegenstände hinwandten, die denn auch weniger bedeutende Summen in Anspruch nahmen. Dazu trug sowohl die Festigkeit der Stände, die sich endlich ermannten und dem Verschwender die Hände banden, als Karls Verbindung mit Franziska von Leutrum (Gräfin von Hohenheim) bei, die ihn „mit kluger Hand auf einem geräuschloseren und friedlicheren Wege einem bessern Ziel entgegen zu führen wußte.“ – Nie aber lernte er Menschen und Meinungen achten. Ihm war nicht bloß der Bauer weniger werth, als ein Hirsch; auch die edelsten Geister, wie der eines Moser, Schubart, Schiller u. s. w., verfolgte, beugte oder knickte er unter seiner Zuchtruthe. Am Abend seines langen Regierungstags übte der gewissenlose Fürst noch das scheußlichste Verbrechen, mit dem ein Tnrann sich beladen mag. Nachdem er 1778 seinem Lande öffentlich versprochen, daß er sich bessern wolle, verkaufte er nämlich seine treuen Würtemberger regimenterweise, den Mann um so und so viel Gulden und Stüber, an die Holländer, welche sie in ihre afrikanischen und ostindischen Kolonien auf die Schlachtbank, oder in das verpestete Batavia auf den Todtenacker führten. Der fluchbeladene Fürst starb 1793.

Ludwigsburg aber pries ihn als seinen Mäcen. Er schmückte mit prachtvollen Gebäuden und kostbaren Gärten Stadt und Umgegend, und Anstalten, welche zugleich Glanz auf den fürstlichen Namen warfen, Karlsschule, Theater, Akademie u. s. w., vollendeten die Anmuth und den Genuß des Aufenthalts. Mit Karls Tode sank diese Herrlichkeit; ihr letzter schwacher Nachglanz war unter König Friedrich, der Ludwigsburg zu seiner Sommerresidenz erkor. Seit auch dieser Fürst schied, fiel die Treibhauspflanze der Mätressen- und Fürstengunst dem Verwelken anheim. Gegenwärtig führt sie zwar noch den Titel einer zweiten königlichen Residenz, ist aber in der That nichts als eine – Soldatenstadt. Sie gilt als Hauptwaffenplatz von Würtemberg, hat das Arsenal und die Stückgießerei, ist die Garnison der Artillerie und des Trains, einer Reiter- und einer Infanteriebrigade, des Generalquartiermeisterstabs und besitzt die Bildungsanstalt für Offiziere. Außerdem ist die Stadt Sitz eines Oberamts, der Kreisbehörden, der Finanzkammer und mehrer höhern Schulanstalten. Einige Gewerbe blühen. Tuchmanufaktur, Glanzleder-, Tabak-, Nadel-, Bijouteriewaarenfabrikation, Leinwand-, Barchent- und Baumwollenweberei beschäftigen von den 7000 Einwohnern eine bedeutende Zahl.

Ludwigsburg ist recht reizend in einer Hügellandschaft gelegen, eine halbe Stunde vom Neckar. Seiner Entstehung angemessen, ist es im Geschmack des 17. Jahrhunderts prächtig gebaut. Zu den sieben meist großen Plätzen führen dreißig fast schnurgerade Straßen, darunter zwei von 5000 Fuß Länge. Das königliche Schloß, das Prachtgebäude, dessen Bild wir vor uns haben, besteht aus 16 Gebäuden, die die verschiedenen Fürsten nach und nach zum Ganzen fügten. Es enthält schöne Kunstsammlungen, eine Hof- und Ordenskapelle, die prächtige Fürstengruft und ein Theater. In der Umgebung liegen die Schlösser Monrepos und Favorite: – Sitze fürstlicher Lust. Eine weitere Schilderung jenes Hauses der letzten Schwabenherzöge, seiner Kunstschätze und Spielereien erläßt uns der Leser. Es ist keine der vielen tausend Thränen damit zu trocknen, welche sie gekostet haben.