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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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rotteten die Geschlechter aus, welche so wenig Anspruch auf Schonung machen konnten, als wilde Bestien, machten ihre Knechte und Hintersassen zu Leibeigenen und sich zu Herren ihrer zunächst liegenden Güter. Nachdem sie so die Macht des Adels gebrochen hatten, brachen sie auch die des Bischofs, und der Emancipation von den Banden der Kirche folgte die von den Banden des Reichs. Ihren Eintritt in den Schweizer-Bund sanktionirte der westphälische Friede. Aber der Abfall vom Reich brachte den Baselern kein Glück. Die reichen, stolzen aristokratischen Geschlechter richteten, als sie keinen äußeren Feind mehr zu bekämpfen hatten, ihr Ziel auf die Herrschaft über ihre Mitbürger und als Folge dieses Strebens wurde Basel zum Sitz einer Oligarchie, unter deren Ruthe das Gemeindeleben verkümmerte. Der Fortschritt mußte aufhören, wo alle wirkenden Kräfte darauf gerichtet waren, das Alte und Bestehende zu wahren und zu erhalten. Gewerbe, Handel, Wissenschaft, Künste, Gesinnung und bürgerliches Bewußtseyn sanken, und der alte Reichthum wurde nur mit Mühe erhalten. Je rascher die Zeit fortschritt, um so gewisser führte der Stillstand zum Rückgang, und dieser bemächtigte sich allmählig aller Verhältnisse so, daß das reiche Basel, was so lange durch Wissenschaftlichkeit und reformatorischen Geist der Welt vorgeleuchtet hatte, einem Sumpf glich, in welchem das Rad der Zeit selbst versunken schien. Daher wurde die Katastrophe von 1832 ein Werk innerer Nothwendigkeit. An sie hat sich kürzlich, und auf friedlichem Wege, eine Reform der Baseler Verfassung gereiht, und es knüpft sich die Hoffnung daran, daß das Gemeinwesen dadurch zu neuem Leben erstarken werde.
Außer der Universität besitzt Basel ein Gymnasium, botanischen Garten, physikalisches Kabinet, Naturalien-Sammlungen, große Bibliotheken und mehre sehr bedeutende Gemälde-Sammlungen. Dazu fügte die neue Zeit eine Realschule, ein Institut für Landwirthschaft und Vereine für wissenschaftliche Forschungen. Für das protestantische Missionswesen ist Basel ein Centralpunkt. Die hiesige Bibelgesellschaft, welche eine eigene Buchdruckerei besitzt, hat mehre Millionen Exemplare der heiligen Schrift verbreitet. – Die Gewerbe beschäftigen große Kapitale. Die bedeutendsten sind die Fabrikation seidener Bänder und baumwollener Zeuche, von feiner Leinwand, von Handschuhen und Liqueuren. Das baseler Kirschenwasser wird in alle Welttheile verfahren. Berühmt waren sonst die Papierfabriken. Durch die Zollverhältnisse sind sie jedoch sehr herabgekommen und viele haben ganz aufgehört. Der Wechsel-Handel ist zwar noch groß und vortheilhaft; doch seine Glanzzeit ist vorüber und die reichen Bankhäuser legen jetzt ihre überflüssigen Fonds in auswärtigen Gewerben an, oder in Staatspapieren. Ein Element neuen Aufblühens wird Basel in der Kürze als Knotenpunkt des schweizerischen, deutschen und französischen Eisenbahnnetzes erlangen. Nach so schwerer selbst verschuldeter Buße – denn Basels staatliche Zustände hatten seit lange schon die rächende Gerechtigkeit herausgefordert –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/29&oldid=- (Version vom 29.3.2025)