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DXXIV. Der Vatikan in Rom.




Der Vatikan! – Nicht den gregorianische Blitze schleudernden wollen wir heute betrachten, sondern das Haus, wo Pius wohnt, der Oberpriester, dem Gott den Schlüssel gab, die große Gegenwart zu erschließen, der Herold, welcher sie den Völkern zuerst verkündigte.

Ich möchte auf einer Alpenfirne stehen, dem Schauplatz der Begebenheiten entrückt, um die weit und tief bewegte Zeit ruhig überschauen zu können mit all ihren Gewittern, die auf des Sturmes Flügeln daher gezogen kommen, um sodann das Rundgemälde von dem, was ich gesehen, recht klar meinen Lesern darzustellen. So ist’s dem Verfasser dieser Blätter früher oft vergönnt gewesen. Heute nicht so. Selbst und mit Leidenschaft mitten im Strome kämpfend, selbst preisgegeben den Wogen des Verhängnisses, selbst vom Beruf zur Stimmführerschaft der Zeit auf das Gewaltigste erregt, ist an einer ruhigen Ueberschau nicht zu denken, und ich muß mich vielmehr auf die Betrachtung weniger großen Züge und jener mächtigen Strömungen beschränken, welche, tausend Arme und Nebenflüsse in sich aufnehmend, jetzt wirksam sind, die Formen im europäischen Staatsleben zu verändern, zu entfernen, oder neu zu gestalten.

Daß Der kein Lügengeist gewesen ist, der sich durch Pius IX. verkündigen ließ, ist nun auch dem Allerblindesten klar geworden. Jener Jehovah, vor dem her die Wetter dräuend gehen, hinter dem das Gericht erfüllt, was die voranschreitenden Boten gedroht, – jetzt ist Er Allen sichtbar über den Horizont heraufgestiegen. Jubelnd schütteln Völker die Ketten ab, hoffend und vertrauend recken andere die Arme ihm entgegen, – nur der Kleinmuth zagt und nur die Verwegenheit und Verzweiflung suchen noch mit Speer und Schwert das Bild des Schreckens abzutreiben. Thörichtes Bestreben! Dem Weltrichter kann Keiner trotzen, denn Keiner ist stärker als Er. Der Spruchtermin ist gekommen. Er sitzt zu Gericht und sein Urtheil üher die hochgehäufte Blutschuld trifft die Schuldigen Schlag auf Schlag. Wie die Throne in Staub zerbröckeln! wie die Könige fliehen! wie Er die mächtigsten, unumschränktesten Gewalten in engen Gewahrsam schließt und sie so geschmeidig macht und willig! Ja! es ist Gott leibhaftig, der da richtet. Keinem Unrecht, sey es noch so fest gewurzelt in der Zeiten Schooß und noch so tief begründet, wird Bestand gelassen, keine Treulosigkeit bleibt ungerächt, keine Lüge findet Glauben mehr, kein Hochmuth und keine Hoffarth, und säßen sie noch so hoch, bleiben ungedemüthigt; die ewigen