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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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die Schmeichler, die Halben und Unfähigen aus ihrem Rathe zu stoßen, sich mit den Tüchtigsten im Volke zu umgeben, und die meisten ergreifen die Idee – ihren eigenen Bestand an die Freiheit der Nation zu knüpfen. Gerade das aber zieht sie unaufhaltsam in den Strom der Bewegung.
Daß mehre unserer Fürsten, vor der cyklopischen Kraft sich entsetzend, welche das Volk offenbart hat in diesen Tagen, resignirt haben, ist kein übles Zeichen. Es beweist ihre Hoffnungslosigkeit auf die Rückkehr der alten Zeit. Es wird nicht bei diesen Resignationen bleiben. Andere werden voraussichtlich nachfolgen. Ebenso wird auch das von Preußens Könige gegebene Beispiel der kecken Betheuerung eines gänzlichen Umschlags in der bisher hartnäckig verfolgten Richtung nicht einzeln stehen bleiben. Die Nation aber wird sich über den Werth solcher Betheuerung nie mehr täuschen. Wenn auch die nächsten Zuschauer die bühnengewandte Ausführung beklatschten: für die innere Wahrheit der That zeugt sie nichts. Das Faktum aber der freien, darum verpflichtenden Zusage ist viel werth; denn damit hat der König die Brücke hinter sich abgeworfen, eine Rückkehr ist unmöglich gemacht. Der erste Rückschritt würde ihn bestimmt verderben; er wäre Selbstvernichtung. Indem er sich, abschwörend den alten Glauben, als „Spitze“ der deutschen Volksfreiheit aufgeworfen hat, wird er von den Kräften, die er bemeistern will, unaufhaltsam vorwärts geschoben, und wie er früher durch sein beharrliches Festhalten an den mittelalterlichen, von der Zeit verlachten Begriffen des Herrscheramts die deutsche Revolution vorbereiten half, so kann seine jetzt angenommene Stellung nur dazu dienen, ihr zu nützen, sie zu fördern, sie zu befestigen. Der König hat sich (war es die Nemesis, die ihn getrieben?) in den Strom gestürzt, der noch raucht vom vergossenen Herzblut seiner Bürger, und die Wogen, die ihn erfaßt haben, wälzen ihn unaufhaltsam einem Ziele zu, das weit ab von dem liegen wird, welches er zu erreichen trachtet. Sein Einsatz – Preußen geht in Deutschland auf! – ist „va banque!“ – und „va banque!“ muß er fortspielen bis ans Ende. Er wäre gänzlich verloren, wenn seine Ausdauer in entschlossener Verfolgung der jetzt eingeschlagenen Richtung geringer wäre als seine Kühnheit. Er weiß es, er fühlt es, daß neben dem Kapitol der Tarpejische Fels steht. Die Stellung, welche er mit einem ungeheuern Luftsprung einzunehmen trachtete, ist die größte und erhabenste, die je ein Fürst erstreben kann. Aber der Sprung allein thut’s nicht. Auch nicht das „Ich bin’s!“ Der großen, freien, deutschen Nation allein steht es zu, ihre Ehrencharge zu verleihen. Bevor aber in Deutschland nur der Gedanke aufkommen kann über die Führerwürdigkeit jenes Monarchen zu berathen, muß er durch eine Reihe von Thaten wirklicher Seelengröße und einer ächten, volksthümlichen, auf Gerechtigkeit gestützten Politik beweisen, daß es ihm Ernst ist, seine Präcedentien vergessen zu machen. Sein erster Akt sey die Sühne des größten Verbrechens, welches die preußische Geschichte besudelt: – der König proklamire die Wiederherstellung Polens und gebe Posen an das Piastenreich zurück; dieses Posen, welches die deutsche Nation als ihren Antheil am
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/45&oldid=- (Version vom 29.3.2025)