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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Raube mit Abscheu von sich weist. Er führe seinen Heerbann sofort zur Befreiung des Brudervolks über die Weichsel, und die Welt wird sehen, wie sich in Deutschland die Tage der Kreuzzüge erneuern, und wenige Wochen hinreichen, um die Horden der russischen Henker von der polnischen Erde zu fegen. Wo anders als im polnischen Freiheitskampf könnte das deutsche Unions-Banner seine Weihe auf die würdigste Weise empfangen? – An Polens Befreiung wird sich die von Kurland, der Esthen und Finnen reihen, das kaukasische Heldenvolk wird den Preis seiner unsterblichen Großthaten empfangen, der Abfall der asiatischen Völker wird die Schwäche Rußlands und die Vernichtung des russischen Einflusses auf den Orient vollenden, und das Tyrannenreich, auf seine natürlichen Grenzen zurückgewiesen, hört für immer auf, für Westeuropa etwas Bedrohliches zu haben oder auf den Kulturgang einen schädlichen Einfluß zu üben. Eine sofortige Herstellung Polens ist folglich zugleich der erste unerläßliche Akt der deutschen Nationalpolitik; er tilgt die alte furchtbare Blutschuld, sühnt das Verhängniß, versöhnt das Brudervolk, knüpft es mit festen Banden an uns, macht es zum Wall gegen die Eroberungsgelüste der Moskowiter für alle Zeiten und drückt dem Wollen des deutschen Volksgeistes für immer und vor allen Nationen den Stempel der Größe auf. Ich wiederhole es: Wer sich an die Spitze unserer Nationalfreiheit stellen will, der bedarf einer ganz andern Bluttaufe, als Friedrich Wilhelm IV. sie in den Straßen Berlins empfangen hat. Suche er sie im Geleite der Hunderttausende, welche sein Ruf „für Polens Befreiung!“ um ihn schaaren würde, in den sarmatischen Ebenen! Das Tagewerk dort wird kurz seyn; denn Polens Befreiung ist Sturmes Arbeit:– schnell, gewaltig, unwiderstehlich wie das Brechen der Eichen im Forste. Und dann, wenn’s geschehen ist, dann möge der König bekränzt zurückkehren, die Ehren des Triumphs empfangen, und – wenn er der große Mann seyn will, – sein Spiel mit der Rolle Washington’s als – Bürger beendigen.
Ein utopischer Traum! werden Viele sagen. Näher liegt denn freilich der Versuch, daß die meisten Fürsten trachten werden, den Augenblick zu erlauschen, wo sie sich wieder in den Vollgenuß ihrer Pracht, Macht und Herrlichkeit setzen können. Es müßten ja keine Menschen seyn, wenn ihnen nicht der Gedanke dazu beikäme. Aber daß der in Unmacht niedergeworfene Absolutismus sich Goliathsstärke wünscht, ist noch kein Beweis seiner Erkräftigung. Er kann in Deutschland nie wieder aufkommen, – so wenig, wie eine am Stamm abgebrochene Tanne wieder eine Krone treibt. Die Volkserhebung bedingt einen Wechstl des Systems; nicht bloß einen Wechsel des Kleids, der Formen, der Menschen, der Minister. – Es ist nicht wie 1830, wo man dem trunkenen, vom hambacher Feste heimkehrenden Michel ein Bein unterschlagen konnte. Kein Fürst kann jetzt den Strom dämmen oder ihm widerstehen; er muß sich hineinstürzen und fortreißen lassen; oder – resigniren. Der Heiligenschein ist fort für immer, der matte Aberglaube, der noch die Schwachköpfe umnebelt, schwindet, je höher die Sonne der Freiheit emporsteigt; die starke Gewohnheit des Gehorsams ist gebrochen, der Volkswille
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/46&oldid=- (Version vom 29.3.2025)