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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Wie es sich auch feststellen werde, sey es, daß die Republik den Platz der Fürsten einnehme, sey es, daß man durch demokratische Institutionen die Monarchie zu stützen trachte, sey es, daß eine aus dem Schooße des Volksparlaments hervorgehende Unionsregierung die Zügel fasse und die landesherrliche an der Spitze der innern Verwaltung der Staaten bleibe; sey es, daß die fürstliche und Volksgewalt sich in zwei Kammern mit gemeinschaftlicher, periodischer Wahl eines Reichsoberhaupts gruppiren: – vergessen darf doch nie werden, daß Gott allen Menschen ein Maaß in’s Gewissen eingeprägt hat, das Maaß des Rechts und der Billigkeit, und dieses von keinerlei Inhabern der Gewalt ungestraft überschritten wird. Jetzt sind die deutschen Völker die Ankläger und sie haben den Spruch auf ihrer Seite. Daß nicht der Weltrichter nach den Verklagten auch die Kläger verdammen müßte! – Ein ernster Geist ist’s, der seinen Stuhl unter die Lebendigen gestellt hat. Die Kronenträger hat er gedemüthigt; die ungerechte Gewalt ist vor ihm zerronnen in Nichtigkeit: aber auch die Völker werden nicht vor ihm bestehen, wenn sie, nachdem er ihnen zu Recht verholfen, selbst Wahrheit, Pflicht und Billigkeit aus den Augen setzen. Am meisten mögen sie sich vor den schlauen Verführern hüten! Gott allein blickt leicht durch die Larven der großen hohlen Worte, mit welchen falscher Patriotismus, pharisäische Heuchelei, Zweizüngigkeit und andere niedrige Leidenschaften sich dem Volk gegenüber zu verhüllen wissen. Darum traue das Volk Keinem, bevor es seinen Gehalt nicht nach Thaten gewogen. Wen aber einmal die That verworfen hat, der bleibe verworfen. Redliche, feste, tüchtige, gesinnungstreue, entschiedene und uneigennützige Männer von klarem Urtheil, nur solche können und sollen gegenwärtig den Völkern rathen, und wie nur von reinen, unbefleckten Händen das Kleinod, die Freiheit, gehütet und gepflegt werden kann, so sind auch nur diese Hände im Stande, sie groß zu ziehen und zur guten Frucht zu bringen.
Ich zweifle nicht, daß bei weitem die Mehrzahl Derer, welche jetzt in Frankfurt zum großen Werke der Parlamentsverfassung tagen – aus solchen Männern bestehen wird. Sie werden eingedenk seyn, daß auf ihren Häuptern alle Verantwortlichkeit der Zukunft ruhe; sie werden nicht vergessen, daß vor dem ewigen Richterstuhle nicht blos ihr Thun abgeurtheilt werden wird, sondern auch das Unterlassen der gebotenen That! – Wenn, gehoben und getragen von der Herrlichkeit ihrer Mission, aber auch im Vollgefühl ihrer unermeßlichen Verantwortlichkeit, sie leidenschaftslos, und entschiedenen, klaren, redlichen Sinns das Werk aufbauen, dann wird’s ein Werk werden der ewigen Ehre für sie selber; die Nation aber wird es als eine Bürgschaft ihres Glücks und ihrer Größe mit Jubel empfangen und der Wille Dessen wird erfüllt werden, der den Sternen die Bahnen verzeichnet, der die Menschheit zu immer höhern Zielen führt, und der den Nationen auf jedem Blatt der Geschichte zuruft:
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/49&oldid=- (Version vom 29.3.2025)