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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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niedere und höhere Bildungsanstalten dem Loyolismus in die Polypenarme zu drücken; – darum ging jenes Licht auch nicht hervor aus dem Priesterseminarium und nicht aus den Kirchen; – auch aus dem Schauspielhause nicht: denn wo Jesuiten hausen: – Gute Nacht, Licht der Bühne!
Erzherzog Albrecht von Oesterreich, Herr des Breisgaues, schrieb im Jahre 1456 der Stadt Freiburg in einem Stiftungsbrief: „Die Hochschule soll eine Quelle seyn, woraus von allen Enden der Welt unversiegbar geschöpft werde das erleuchtende Wasser der Weisheit, zur Auslöschung des verderblichen Feuers menschlicher Unvernunft und Blindheit.“ – Und diese Hochschule wurde – nicht die Quelle des neuen politischen Lichts, aber die starre Einfassung derselben. Des Stifters edler Zweck wurde nicht lange in Ehren gehalten. Je erfolgreicher er dem Pfaffentreiben entgegen gearbeitet hatte, je freier sich auf dem frischen Boden die Blüthe der Wissenschaft entfaltete, je starker der Zudrang der Wiß- und Lehrbegierigen aus allen Ländern vor und auf die Lehrstühle Freiburgs wurde, desto energerischern Gegendruck leisteten die römischen und österreichischen Feinde des Lichts – und sie siegten. Schon im Jahr 1620 überlieferten Albrechts Nachfolger im Breisgau die Lehrstühle der Theologie und Philosophie dem Orden der Jesuiten. Die Hochschule sank. Nachdem sie zwei Male, vor den eindringenden Franzosen flüchtend, in Konstanz eine sichere Stätte gesucht hatte und endlich, wieder in Freiburg, unter der Geistesfolter der Jesuiten ihrer gänzlichen inneren Auflösung nahe war, sah sie sich plötzlich durch die Vertreibung des verhaßten Ordens, dessen Güter ihr großentheils zufielen, besonders aber durch die Theilnahme, welche Kaiser Joseph, der ewige Liebling nach Freiheit strebender Völker, ihr laut und offen zuwandte, einer neuen goldenen Zeit entgegengeführt. Abermalige Angriffe, von der französischen Revolution und vom neubelebten Mönchsgeist über sie verhängt, überwand die nunmehr erstarkte Anstalt glücklich. Mit dem Breisgau fiel sie dem badischen Lande zu. Wie hoch aber auch jetzt, unter dem Schutze eines geachteten Fürsten, der Wetteifer der tüchtigsten Gelehrten für das Aufblühen der Anstalt in geistiger Freiheit stieg, die katholische Fakultät der Theologie blieb ein verstockter Widerpart jedes Fortschritts und jeder selbstständigen wissenschaftlichen Forschung. In einer Zeit, wo reaktionäre Umtriebe aller Art den offenen oder versteckten Schutz der Regierenden genossen, während die Regierten, in politischen Kämpfen noch ungeübt und der kompakten Masse der „großen Herren“ gegenüber ohne Wehr und Macht, mehr und mehr zu einer traurigen Resignation sich entschlossen, wäre das Ersticken aller freien Regungen, wie der Zweck, auch der Triumph der Ultramontanen und des aristokratischen Adels geworden; waren doch schon des edlen Wessenbergs segensreiche Werke des Glaubens von der herrschenden Partei der Erde gleich gemacht worden!
Da führte ein günstiger Stern die beiden Männer an der Hochschule zusammen, die das Licht des neuen Völkerlebens am hellsten in Deutschland aufsteckten, sich unerschrocken an die gefährliche Spitze der Bewegung stellten und durch ihre unaufhörlichen Kämpfe, ihr Ringen, Siegen und Unterliegen, ihr Wiederaufraffen nach dem härtesten Fall, ihr schmerzenreiches Märtyrerthum um die Freiheit jenen heiligen Schein um Freiburg zogen, von
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/58&oldid=- (Version vom 29.3.2025)