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DXXXI. Hohenstaufen.




Das „Mene Thekel Phares,“ in den französischen Blutstrom der Schreckenszeit geschrieben, warnt jedes Volk, das in einer Revolution begriffen ist und sich neu gestaltet. Es mahnt zur Besonnenheit inmitten des Streits, zum Maaßhalten nach dem Siege. Wenn ein Volk, trunken vom Erfolge, sich nicht zu bezähmen weiß, wenn es niederreißt die Grenzpfähle der Nemesis und zu Boden wirft die ethischen Schranken des Rechts und der Billigkeit; wenn es ohne Haltung, seines Zwecks vergessen, die Tyrannei der Vielheit an die Stelle der Tyrannei des Einzelnen setzt: so müssen für ein solches Volk jene mahnenden Flammenzüge zu Gottes Richterspruch werden und es wird die Sentenz an ihm zur unerbittlichen Vollziehung gelangen. Das Weltgesetz „alles Maaßlose drängt zum eigenen Mord“ ist so ewig wie Gott selber.

Das soll auch in Deutschland nicht vergessen werden. Nachdem die Nation ihre Schmach, die sie viel zu lange ertrug, abgeschüttelt hat, nachdem sie offenbart hat das Geheimniß der Unmacht ihrer Fürsten und eingestürzt hat den alten Bau der Willkür und des Unrechts, muß sie den Staat neu bauen zu einer Wohnung des allgemeinen Glücks durch Gerechtigkeit und Freiheit. Leidenschaftlichkeit hat nichts dabei zu schaffen. Ruhigen und festen Thuns sollen die berufenen Bauleute das große Werk aufführen, welches den Meister lobe. Jeder aber ist als Arbeiter berufen, der mitwirken kann. Die Vokation kommt von Oben; nicht durch Brief und Siegel. Wer Tüchtiges kann, der thu’s. Nicht blos in Frankfurt wird getagt für das große Tagewerk. Getagt soll werden aller Orten, wo gesinnungstreue, verständige Männer sind, die es redlich meinen mit dem Volke. Jetzt, wo die Nation aufgefordert ist, die Männer ihres Vertrauens zur konstituirenden Versammlung zu erkiesen, ist es unerläßlich, daß das Wort der ächten Volksfreunde überall laut werde, daß es in alle Schichten der Gesellschaft dringe, die Geister erleuchte, die Herzen erwärme und belehrend an den Kreuzwegen stehe, um vor Verirrungen zu wahren und vor falschen Wegweisern zu warnen.

„Ein Kaiser und Ein Reich!“ so riefen vor dreißig Jahren die Männer, welche für die Rettung des Vaterlandes ihr Leben einsetzten, so riefen die Dichter und die Jünglinge; so klang aus den Liedern Körners, Schenkendorfs, Arndts und anderer geharnischten Sänger. Derselbe Ruf erscholl von den Höhen der Wartburg, als der schöne edle Traum der Burschenschaft in dem Geist der Jugend schwärmte, und derselbe Ruf klopfte mahnend an die Thüre des Wiener Fürstencongresses. Man dachte sich damals, ein Kaiser müsse auf’s Neue an