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enggezogenen Grenzen überschritten und es war aus dem Vertheidiger ein Angreifer geworden. Bis dahin felsenfest auf der öffentlichen Meinung ruhend, sah die mittelalterliche Kirchenlehre und mit ihr die Macht der Hierarchie sich plötzlich Grundsätzen gegenüber, welche nicht blos von Einzelnen, sondern von Massen vertreten wurden und mit dem Glauben an die Untrüglichkeit der Kirche Ansehen und Macht der Priesterschaft erschütterten. Abailard, Arnold von Brescia, die Waldenser erhoben sich als Kämpfer des freien Geistes: „die öffentliche Meinung, die Hauptstütze des Papstthums, begann zu wanken.“

Und diese Ritterschaft, dieß Bürgerthum, diese reformatorischen Bestrebungen bildeten die Trias, welche naturgemäß zum Kaiser hielt: die Ritter brauchten des Kaisers Schutz, um von ihren weltlichen und geistlichen Lehnsherren nicht zu bloßen rechtlosen Waffenknechten herabgedrückt zu werden; die Bürger, um für ihre demokratische Entwickelung einen starken Schild gegen die Fürstenaristokratie zu gewinnen; die reformatorischen Streiter, um ihr aufgehendes Licht hinter dem Schirm des Kaisers gegen die Gewaltmaßregeln der Hierarchie gewahrt zu wissen. Wir wollen nun sehen, wie die Hohenstaufen, schon Kaiser, diese Elemente der Macht, diese starken Waffen zum Kampf gehandhabt haben. –

Der Stammvater des Geschlechts, Friedrich von Büren, war ein einfacher Rittersmann, der um 1056 die Burg erkaufte. Eine sonderbare Fügung hob seinen Sohn Friedrich zur höchsten Würde, die der Kaiser zu verleihen hatte: Friedrich von Staufen wurde der Schwiegersohn des Kaisers Heinrich IV. und erhielt Schwaben, das Herzogthum, zu Lehen. Schon die Söhne desselben, Friedrich und Konrad, traten, nach Heinrichs V. Tod, als Thronbewerber auf. Sie erfüllten die Regierungszeit Lothars mit Bürgerkriegen. Dasselbe that Heinrich der Stolze von Bayern und Sachsen, als statt seiner Konrad III., als erster Hohenstaufe, den Kaiserthron bestieg. Mit dieser Feindschaft entspann sich jener Kampf zwischen Hohenstaufen (Ghibellinen) und Welfen (Guelfen), welcher Deutschland und Italien in eine lange Reihe blutiger Bürgerkriege verwickelte. Konrad würde, wäre er nicht der Erste des Hohenstaufenschen Hauses, ohne Auszeichnung in der Geschichte stehen. Er war ein schwacher Fürst und Deutschland verlor unter ihm nach Innen und Außen. Seine vortrefflichste That war die, daß er, an sich selbst erkennend, was dem Reiche noth thue, die Nachfolge auf dem Throne seinem eigenen Sohn entzog und seinem Neffen Friedrich von Schwaben zuwandte. Er, der Barbarossa (Rothbart), wie ihn die Italiener nannten, war die eigentliche Heldengestalt des Geschlechts. Während Friedrichs vierzigjähriger Regierung stand Deutschland wieder als die erste und gewaltigste Macht Europa’s da, unter deren Oberherrschaft die slavischen Reiche, die Wenden, Böhmen, Polen, die Ungarn, die Burgunder und Italiener und selbst die Dänen sich fügten. Friedrich’s große Persönlichkeit that’s allein, nicht seine Politik. Seine vielen Kriege in Italien erregten vielmehr die Unzufriedenheit Deutschlands und zwangen ihn, die Fürsten durch Machtvergrößerung für sich zu gewinnen, während er gegen seine Hauptfeinde, den Papst und die italienischen Städte, nie zu vollständigem Sieg gelangte. An die Heranbildung einer Großen und dem Klerus überlegenen Macht