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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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in einem dem Kaiser und Reich unmittelbar untergebenen Volke hat Barbarossa nie gedacht. Das schlimmste Geschenk warf dem Reiche 1186 die Verheirathung seines Sohnes Heinrich mit Konstanze von Neapel zu, denn Unteritalien hat Deutschland Gut und Blut in Menge gekostet und das Hohenstaufengeschlecht selbst zum Untergang geführt. Schon dieser Heinrich VI. verbrachte den größten Theil seiner Regierungszeit im Kampfe um dieses Königreich. Noch weiter von dem rechten Wege, auf welchem Deutschlands Glück lag, kam Heinrichs VI. Bruder, Philipp von Schwaben ab. Erst in Heinrichs VI. Sohn sehen wir wieder einen großen Kaiser als Friedrich II. Er gehörte zu den genialsten Männern seines Jahrhunderts. Wissenschaft und Kunst waren heimisch an seinem Hofe, er war Meister mit der Leier wie mit dem Schwerte; an politischem Scharfblick und energischer Thatkraft war er seines Großvaters Ebenbild. Aber auch er irrte: in seinem Herzen lebte das schöne Italien, das Land, wo er geboren und erzogen worden war, und so konnte auch ihn weder die feinere Bildung noch die freiere Weltanschauung von der für Deutschlands Interesse falschen Politik seines Hauses ab und auf den rechten Weg hinführen. Zu spät für Deutschland und sein Haus erkannte Friedrich, „daß er den selbstsüchtigen Tendenzen der geistlichen und weltlichen Fürsten ein anderes Element entgegensetzen müsse“ – er wurde ein Freund des Bürgerthums; – aber eben zu spät! Das Unglück brach über ihn, über Deutschland und über sein Haus so plötzlich herein, daß er, nach wenigen Jahren voll der bittersten Erfahrungen, des tiefsten Wehes in Familie und Staat, mit gebrochener Seele starb.
Nachdem Friedrich, der größte Hohenstaufe, begraben war, ließ der Untergang des Geschlechts nicht lange auf sich warten. Konradin eilte über die Alpen, um Neapel dem französischen Usurpator zu entreißen, verlor die Entscheidungsschlacht und legte sein blühend schönes Jünglingshaupt auf den Block. Er war der letzte Hohenstaufe. Der alte germanische Zug nach Italien hatte die Kraft auch dieses Geschlechts gebrochen, und geblieben ist jener Zug die Quelle des Verderbens für deutsches Volk und deutsche Herrlichkeit bis auf den heutigen Tag.
Der Berg, auf dem die Burg Hohenstaufen stand, liegt im würtembergischen Amte Göppingen, im Donaukreise. An seinem Fuße bewahrt ein Marktflecken noch den Namen des Kaisergeschlechts. Zerstört wurde die Burg 1525 im Bauernkriege. Sie wurde niedergebrannt und der Erde gleich gemacht. Das einzige Merkzeichen vergangener Größe ist am Fuße des Schloßbergs zu suchen. Dort liegt eine kleine Kirche, durch deren niedere Pforte Friedrich Barbarossa täglich zur Messe schritt. Sie trägt die Inschrift: Hic transibat Caesar.
Aber was ist nun durch diese Betrachtung der hervorragendsten Gestalten im langen Kaiserzuge für den loyalen Ruf: „Ein Kaiser und Ein Reich!“ gewonnen? – wenig! Die Nation dagegen fragt, und sie fragt mit Recht: „Wenn das am grünen Holze geschah, was haben wir am dürren zu erwarten?“ –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/84&oldid=- (Version vom 30.3.2025)