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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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und Profeßhäusern vertheilt waren. Sie bildeten die Gehülfen oder vielmehr Werkzeuge der vierten Klasse, der Professi, die sämmtlich zu Geistlichen ordinirt seyn mußten, in alle Geheimnisse des Ordens eingeweiht, in Besitz der höhern Aemter und Vorrechte waren und aus denen die Oberen, Superioren, Präfekte, Rektoren, sowie der Ordensgeneral mit seinen Assistenten hervorgingen. Sie allein leisteten das vierte Gelübde. Nur bei einer solchen hierarchischen Gliederung des ganzen Baues war ein planmäßiges Zusammenwirken in gleichem Geiste und zu gleichem Zwecke möglich; erreicht wurde es durch die völlige Hingebung jedes Einzelnen an die Gesammtheit. Das Wachsthum der Gesellschaft war außerordentlich. Beim Tode des Stifters zählte der Orden bereits über tausend Glieder, die als Heidenbekehrer, Prediger, Beichtväter, Jugendlehrer, Geschäftsmänner und Schriftsteller alle religiösen und weltlichen, kirchlichen und wissenschaftlichen Kreise durchdrangen und vor Allem Glauben und Gewissen der Fürsten und Völker in starre Formen zu zwängen suchten. Die mächtigsten Waffen der Jesuiten waren ihre Pädagogik und der Beichtstuhl. Hier wurde das Gift ausgegossen, das auf Herz und Geist gleich zerstörend wirkte und alle sorglos Gläubigen dem Ordensinteresse blindlings dienstbar machte; denn wo die Grundmauern alles Gemeinde- und Staatslebens fehlen, wie soll sich da ein Bau des Segens erheben? Die Jesuiten erkennen ja keine feststehenden Gesetze und Pflichten der Moral an, ihre Moral ist eine Lehre der Klugheit, je nach Zeit und Umständen mit Zusätzen und Ausnahmen versehen. Sogar die Religion ist nur da, um das Ordensinteresse zu fördern. Im Beichtstuhl wußten sie Herren zu werden durch ihre Nachgiebigkeit gegen Laster und Verbrechen. Beide hatten eine willkommene Stütze an der jesuitischen Lehre von der Sünde; denn darnach ist nur Derjenige straffällig, welcher von dem Bösen, das er thun will, im Augenblick der That deutliche Erkenntniß oder wenigstens vorher einige Zweifel und Gewissensbisse hat. Ein Verbrechen, das man ohne Ueberlegung und ohne an Gott zu denken, begeht, ist demnach keine vor Gott straffällige Sünde. Die Menschen, so lehren die Jesuiten ferner, bedürfen keiner wahren Gottesliebe, da die Furcht vor der Hölle genügt, um Gott wegen einer Sünde zu versöhnen. Auch die heimlichen Vorbehalte, nach welchen man nur etwas Anderes denken durfte, als man sagte oder that, um wegen der gröbsten Sünde vor sich gerechtfertigt zu seyn, und tausend andere Schurkereien galten diesen Jüngern Jesu für Mittel, welche der Zweck heiligt. – So ist auch ihre Behandlung der Wissenschaften von Schlauheit und Perfidie durchdrungen. Stets waren sie bemüht, in einzelnen Zweigen des menschlichen Wissens sich als Lehrer und Schriftsteller auszuzeichnen; daher eine Reihe berühmter Jesuitennamen, aber durchaus nur in Fächern, welche nicht unmittelbar zur reinen Aufklärung des Verstandes in der Religion und Theologie, in der Politik und Moral führen. Außerdem bearbeiteten sie alle Wissenschaften in einer Weise, welche ihre Zöglinge weit vom freien Denken und Forschen abführte, und wußten aus ihren theologischen und historischen Verträgen Alles zu entfernen, was ihrem Systeme zuwider lief. Auf solchen Wegen gelangte der Orden zu einer die ganze Erde umspannenden Macht. Er stand auf deren höchstem Gipfel in der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/90&oldid=- (Version vom 30.3.2025)