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Mitte des vorigen Jahrhunderts. Damals zählte der Orden 22,589 Mitglieder, 24 Profeßhäuser, 335 Residenzen, 273 Missionen, 176 Seminarien, 61 Probationshäuser, 669 Kollegien. Für den Orden bestanden keine Schranken, keine Grenzen auf der Erde, als die er selbst geschaffen. Er theilte alles Land in 39 Provinzen und trachtete nach nichts Kleinerem, als nach Erhebung des Ordens zu einer wahren Weltherrschaft.

Wie alles Maaßlose im Streben den Widerstand erregt, so geschah es auch hier. Von jener Zeit an häuften sich die Angriffe gegen den Orden, seine Herrschbegierde erschien auch den Fürsten gefährlich, seine Einmischung in die Politik erregte den Unwillen der Völker, die schamlose Wahl der Mittel zu seinen Zwecken rief Haß und Verachtung über ihn. Das Uebel war zu einer so ungeheuern Größe angeschwollen, daß nichts mehr retten konnte, als ein Schlag zur augenblicklichen Vernichtung der Jesuiten. In Rom saß auf dem päpstlichen Stuhle damals ein Mann, der den Muth hatte, diesen Schlag zu wagen: es war Ganganelli. Am 21. Juli 1773 hob er durch die berühmte Bulle „Dominus ac redemtor noster“ den Orden auf.

Vierzig Jahre blieb die Bulle in Kraft und der Orden eine Leiche. Aber seine Zeit war noch nicht aus, so wenig wie die Zeit des Lugs und Trugs in der Politik, der Tyrannei der Großen und des Knechtssinns der Völker. Es ging in Erfüllung, was Franz von Borgia, der General des Ordens, prophezeit hatte: „Wie Lämmer haben wir uns eingeschlichen, wie Wölfe werden wir regieren, wie Hunde wird man uns vertreiben, aber wie Adler werden wir uns verjüngen“. Zur nämlichen Zeit, als die Könige das Pergament der heiligen Allianz den Völkern als die Urkunde ihres Glücks und ihrer Freiheit hinhielten, wie das Buch der Apokalypse mit den sieben Siegeln, – geschah, auf Metternichs Anregung, die Wiederherstellung des Ordens (am 7. August 1814) durch die Bulle „Sollicitudo omnium ecclesiarum.“ Wirklich setzte sich der Orden in den meisten katholischen Staaten Europa’s wieder fest, theils duldete man seine Rückkehr, theils rief man ihn sogar in’s Land. Bei dem ihm besonders günstigen reaktionären Geist der Zeit erholte er sich zusehends von seinem tiefen Fall und wucherte unter der Herrschaft Metternichs, jener fluchbeladenen Periode der europäischen Völkergeschichte, üppig empor. Die Julirevolution lähmte zwar seine Thätigkeit in Frankreich, verhalf ihm aber durch die Errichtung eines belgischen Königreichs zu einem Centralpunkt im Norden, von dem aus er seinen Einfluß auf’s Neue gleichzeitig über Deutschland und Frankreich ausbreitete.

Wie Belgien für den Norden das jesuitische Hauptlager war, so war die Schweiz es für den Süden. Hier waren die Jesuiten aus Italien eingedrungen. Sie hatten in den sog. Urkantonen, wo die katholische Geistlichkeit das Volk beherrschte, einen empfänglichen Boden gefunden. Die Schweiz, obwohl ein Staat von republikanischen Formen, litt unter kleinlichen Verhältnissen, Parteiintriguen, Konfessionszwisten, mehr aber noch unter aristokratischen Resten aus ihrer früheren Geschichte und unter den allgemeinen Einflüssen der reaktionären Politik der europäischen Kabinette, so viel, wie jedes andere Land, während weder die Tagssatzung von Innen, noch die