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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Neutralität von Außen ein festes Band um so viele und so kleine, mit größter Eifersucht bewachte Kantonalsouverainetäten zu ziehen vermochte. Alle aus diesen Mißständen hervorgebrochenen, wenn anscheinlich noch so regen Bewegungen waren in der Regel nur ein Wühlen in einem faulen Boden. Warum sollten Leute, wie Metternich und die Jesuiten, die für sie so treffliche Gelegenheit, einem um des Prinzips der Freiheit willen gefürchteten und gehaßten Gemeinwesen einen Zaum anzulegen, unbenutzt lassen? – Oesterreich vertheidigte die Souverainetät der kleinen Urkantone und diese, Luzern voran, beriefen die Jesuiten, kraft ihrer Souverainetät. Das ist, nachdem die Aargau’sche Klosteraufhebung wieder die erste Brandfackel zwischen die beiden Hauptconfessionen der Eidgenossenschaft geschleudert hatte, der einfache Beginn der Wirren, welche, nachdem in zwei Freischaarenzügen gegen Luzern viel Bürgerglück zerstört, viel Bürgerblut vergossen worden war, und nachdem das monarchische und despotische Europa eine in einen Sonderbund und eine Eidgenossenschaft zerfallene Republik gesehen und ihre Theilungsplane bereits im Stillen angefertigt hatte, durch eine großartige Erhebung des Gesammtwillens des Schweizervolks gegen das Einzelinteresse der Sonderbündler und ihres österreichischen und jesuitischen Anhangs in den glorreichen Novembertagen des vorigen Jahres vollkommen beseitigt worden.
Aber nicht der Entscheidungskampf an der Gislikon-Brücke am 23. November, nicht der bürgerwürdige Einzug der Sieger in Luzern und die versöhnende Haltung des gesammten Volks würde diese vollkommene Beseitigung jener Wirren in so kurzer Zeit möglich gemacht haben. So lange in der politischen Atmosphäre Europa’s die Riesenschlange des Jesuitenthums noch wohlgemuth athmen konnte, konnte das Volksleben nicht zu dauernder Gesundheit kommen. Die Luft kann reiner werden, nicht das Jesuitenthum: „Sint, ut sunt, aut non sint!“ (Sie müssen bleiben, wie sie sind, oder sie gehen unter! Dieses Motto setzte der Geschichte der Jesuiten ihr eigener General Laurentius Ricci!). – Die weltgeschichtlichen Ereignisse, welche seit den großen Pariser Februartagen und den Wiener und Berliner Märztagen die gebildete Menschheit erschüttern und bisher hermetisch verschlossene Volkskerker aufreißen und zertrümmern, diese von allen Freunden der Freiheit seit langen Jahren auf den Knien erflehten Stürme voll reinen, neu belebenden Gotteshauchs – sie sind es, welche die politische Atmosphäre ausfegen und mit dem Moder und Gestank der verfaulten Diplomatie auch die Leibknechte derselben, die politischen und religiösen Jesuiten, vom gereinigten Boden des Volkslebens vertilgen. Land auf Land stößt sie von sich und noch während wir schreiben, ist ihnen für Europa bereits der Leichenspruch gesetzt: „Pius IX. trieb die Jesuiten aus Rom.“ Sie werden nicht wiederkommen. Wir aber geben ihnen das Abschiedszeugniß: Der Jesuitenorden hat durch sein aufregendes Wühlen im Geiste der Reaktion für die Befreiung Europa’s mehr gewirkt, als alle Propaganden und radikalen Vereine der Welt zusammen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/92&oldid=- (Version vom 30.3.2025)