Seite:Meyers Universum 12. Band 1847.djvu/96

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

der richtende, hat es erkannt in seiner Verworfenheit, hat es verurlheilt, hat es verdammt, – er wird es vernichten.

Wohl hatte sie es weit gebracht, die hierarchische Hyder, im Laufe so vieler Jahrhunderte in der Herrschaft über das verdummte und verfinsterte Volk! Sie hatte sich ein Haus gebaut, dessen Grundfesten im Felsleib der Erde steckten, während seine Thürme die Wolken des Himmels umzogen. So fest war’s, so innig gegliedert und tüchtig verbunden, daß, obschon der Grund selbst, der fromme Glaube, längst unterwühlt war, der Bau doch noch einige Jahrhunderte zusammen halten konnte, ehe er aus einander fiel. Erst seit künftig Jahren erscheint uns das Mönch- und Pfaffenthum wie das Klosterbild auf unserm Stahlstich – als Ruine. Dachlos seit längerer Zeit sind endlich eingestürzt die Gewölbe von dem Regen des Himmels, auf den Pfeilern strecken die Bogenarme sich in die Leere hinaus, Gras und Büsche wachsen in dem Heiligthum und die Vögel nisten in den Mauerspalten. Zu bessern ist da nichts mehr. – Restaurationsversuche, wie sie in unsern Tagen ein Bayern-König machte, sind Thorheiten und fruchten – wie die Arznei dem Todten.

Auch der Räuber und Mörder findet seinen Advokaten und das Mönch- und Pfaffenthum hat noch eifrige Vertheidiger und Fürsprecher bis auf den heutigen Tag. Wenn aber gefragt wird: Thue uns kund, was du vollbracht hast und lege uns aus, was du gebildet und gebaut, damit wir erkennen, was dir gebührt, – ob du das Urtheil verdient hast, oder ob dir damit zu viel geschehen sey! und du, Pfaffenthum, nun aus einander breitest den Reichthum deiner Schlechtigkeit von Anbeginn an und die Armuth deiner Tugend: – wie ist es dann mit dir bestellt? Man wird dir sagen müssen: Sieh! du hast deine Thaten mit beredtem Mund erzählt und deine Herrlichkeit uns angepriesen: aber bei der Prüfung hat ihr Gehalt sich nicht bewährt. Was du als Gold vorgezeigt, ist Katzengold, und dein Juwelenschmuck war schlechtes Glas. All dein Verdienst löst sich in Nichtigkeit auf. Heuchelei ist deine Frömmigkeit, dein Glaube Unglaube, dein Wissen Unwissenheit, deine Enthaltsamkeit Unzucht, deine Tugend Laster, und unter deinem ruhigen Aeußern birgst du fressende Flammen; – zerstörend ist dein ganzes Wesen, Unfrieden säen deine Freude und Niederreißen deine Stärke.

Hattest du aus der Erbschaft so vieler Jahrhunderte nicht Reichthümer gehäuft und was hat der Welt die Dotation geholfen? Wie hast du Haus gehalten mit deinem Pfunde? Mit all dem unermeßlichen Besitz hast du nichts gethan, als deinen faulen Leib gemästet und Bettler gefüttert! Der Schatz der Wissenschaft stand dir offen von Anbeginn und, entrückt aller irdischen Last und Sorge, ward dir recht eigentlich das Amt, den Schatz zu mehren alle Tage; und was hast du vollbracht? Geist und Leben hast du der Wissenschaft genommen, du hast sie abgeschieden von ihrer Wurzel, und wie ein Gespenst, als wesenloser Schatten, mußte sie umgehen in deinem Kreise, unzugänglich für das Volk und dem Volke ungenießbar. Selbst den Glauben, als dessen berufenen Hüter du dich ausgibst, hast du verkehrt und verderbt durch und durch, deine Schlechtigkeit hat sein Reich verwüstet,