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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Das Firmament der Ordenssterne, mit welchem die Machthaber auf Erden die Augen der Menge zu blenden trachten, leitet seinen Ursprung zum Himmel des Christenglaubens zurück. Fromme Helden verbanden sich mit geistlichen Verbrüderungen oder stifteten Anstalten der Milde und Pflege für Palästinafahrer und gelobten dem Pilger Schutz und Krieg den Ungläubigen, wie der begeisterte Christ alle Andersglaubenden nannte. Alle Mitglieder eines solchen Ordens banden sich, wie die Mönche, an das Gelübde der Armuth, Keuschheit und des Gehorsams; alle trugen eine gemeinsame Tracht und ein gemeinsames Abzeichen. Aus der gelobten Armuth gediehen jedoch die meisten Ritterorden allmählich zu großen Reichthümern, wie namentlich die Johanniter, Templer und Deutschherren, und, wie das Gelübde der Armuth, so litten auch die übrigen Satzungen, bis endlich, nachdem die Flammensäule der Glaubensbegeisterung immer tiefer gesunken war, auch der Hauptzweck der geistlichen Ritterorden verloren ging. Die Orden wurden nun aufgelöst, theils ihres Vermögens beraubt, theils gingen sie aus dem Dienste der Religion in den der Fürsten über. Die regierenden Herren der Erde erkannten frühzeitig in dem Einzigen, was von den alten ehrwürdigen Ritterverbrüderungen übrig geblieben war, in dem allgemeinen Abzeichen und dem Vermögen, ein vortreffliches Mittel zur Hebung ihrer Hausmacht. Sie verwandelten das einfache Ritterkreuz in glänzende, oft sehr kostbare Dekorationen, deren Besitz zur Beziehung gewisser Antheile aus den Ordenseinkünften berechtigte. Der neue Köder war fertig, um Geister zu fangen, der Männer immer mehre in den Kreis ihrer Macht und Kunst zu bannen und zu Dienern ihres Willens und ihrer Pläne zu machen.
In den ersten Zeiten hatten die Fürsten noch so viel Achtung vor der Bedeutung, die sie selbst ihren Kreuzen und Sternen untergelegt hatten, daß sie sie nur als Zeichen ihrer Huld, als allgemein sichtbare Beweise ihrer persönlichen Zuneigung oder Achtung verliehen. Dies dauerte jedoch nicht lange. Je schärfer die Fürsten nach dem Plane hinzielten, die alten, ihre Willkürlust beengenden Volksrechte Stück für Stück zu vernichten, desto begieriger mußten sie jedes Mittel ergreifen, welches die Einzelnen, die Hervorragenden, die Starken von der Masse loszutrennen und durch irgend ein Band menschlicher Schwäche an sie zu fesseln vermöchte. Dieses Mittel bestand in einer langen und wohlgegliederten Reihe von Ritterorden, Hoforden, Militairorden, Civilorden. Man erklärte die aus fürstlichen Händen fallenden Sterne und Kreuze für Belohnungen besonderer
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/98&oldid=- (Version vom 30.3.2025)